Gotthard Basistunnel Beton-Shuttle

7 Jahre Filmproduktion im Basistunnel – Die Gotthard-Chronik Teil 2

Teil 2: Millimeter-Männer und Sonnenbrand im Tunnel

Am 1. Juni wird der Gotthard Basistunnel eröffnet. Dieses Jahrhundertprojekt hat mein Leben in den vergangenen 7 Jahren mitbestimmt. So, wie es das Leben von Tausenden anderer Menschen täglich geprägt hat – als Planer, Bauherren, Ingenieure, Projektleiter, Monteure und Filmproduzenten. Deshalb wage ich es, meine persönlichen Erfahrungen zu berichten, in Momentaufnahmen.

10. Dezember 2010

Wir trauen unseren Augen nicht: Ein schwarzer Adler kilometertief im Gotthard Basistunnel. Auf der Brust rot-weiss-rot gestreift, flattert er kontinuierlich im Wind. Die Kolonne der Monteure aus Österreich arbeitet im Gleisbau und hat stolz das Wappen gehisst. Sie sind die ersten vorn im Tunnel, arbeiten dort, wo es nur nackten Beton gibt. Heute weht ihnen und uns eine steife Brise entgegen. Die riesigen Ventilatoren, die für die Frischluftzufuhr sorgen, drehen besonders schnell. „Bewetterung“ ist der Fachausdruck dafür, „das nervt“ ist unsere Einschätzung dazu. Wir schützen uns mit Fleece-Jacken vor der Zugluft, abends haben wir allerdings einen Sonnenbrand im Gesicht. Die Luft ist voll kleiner Staubpartikel, die durch die Bewetterung beschleunigt durch die Röhre fliegen. Das Bombardement hinterlässt seine Spuren auf unserer Haut und überall auf der Technik. Es ist sehr, sehr warm im Tunnel, hervorgerufen durch den Druck von 2000 Metern Gestein über uns. 40 Grad herrschen normalerweise in den Tunnelröhren. Ohne Bewetterung könnte hier niemand arbeiten, aber selbst mit Tunnel-Klimaanlage fällt die Temperatur nie unter 25 Grad, dazu kommt die staubtrockene Luft. Ein paar Liter Trinkwasser pro Mann nehmen wir mit auf jede Schicht. Zu unserer Sicherheits-Ausrüstung gehören nicht nur Helm – ja, auch für den Kameramann – Sicherheitsschuhe und Baustellenbekleidung. Jeder von uns trägt auch einen Sender mit sich. So sehen die Männer in der Leitstelle genau, wer sich wo im Tunnel bewegt. Für den Notfall hat man uns auch den Selbstretter erklärt, den wir in einem Rucksack mitschleppen und der die Antwort auf die Frage ist: Was tun, wenn 20 Kilometer entfernt vom Tunnelausgang ein Brand entsteht…

23. Juni 2012

Überhaupt: Dieser Berg und dieser Tunnel verlangen jeden Tag 100% Konzentration und – das liest sich jetzt wirklich sperrig, muss aber so eingeleitet werden – Demut vor den Regeln. Niemals oben auf den Kopf der Schiene treten – man knickt schnell um und hat den Fuss in Gips. Schon passiert. Niemals mit dem Handy am Ohr Baustellen-Gleise überqueren – Loks sind leiser als man denkt. Schon gesehen. Und: Dieser Berg verlangt Einfühlungsvermögen und Demut von den Mitarbeitern und Ingenieuren, die jetzt hier leben. Kleine Schweizer Orte verwandeln sich rasend schnell in eine multinationale Gemeinde. Manche Deutsche leben inzwischen so lange in der Nähe der Baustelle am Basistunnel, dass sie sich eine Rückkehr nicht vorstellen wollen. Schweizerwerden kann man wahrscheinlich nicht ganz bewältigen, aber es gibt Möglichkeiten …

6. März 2013

Die Millimeter-Männer haben heute Zeit zu reden. Manche von Ihnen sehen wir in vielen Schichten im Basistunnel, aber kennen gelernt haben wir sie noch nicht. Das soll sich jetzt ändern. Georg Jaffke und Sebastian Reimann sorgen im Tunnel dafür, dass das Gleis so liegt, wie die Ingenieure es geplant haben. 57 Kilometer in jeder der zwei Röhren, mit einer Abweichung im Zehntelmillimeter Bereich, fest eingegossen in Beton. Wenn sich später herausstellt, dass etwa nicht stimmt, gibt es nur eins: Raus mit dem Zeug und nochmal beginnen. Was Jaffke und Reimann hier bauen nennt sich Feste Fahrbahn. Was sie in 4 Wochen vor sich haben ist noch viel komplizierter: Sie müssen Hochgeschwindigkeitsweichen in die enge Tunnelröhre einbauen, in drei Schichten, unter enormem Zeitdruck. Diesen Mega-Job sollen sie in einem Film erzählen. Ausgerechnet sie, die bescheidenen, stillen Bauleiter, die am liebsten nicht reden, sondern handeln! Aber der Projektleiter will es so. Er will die Story der Männer im Berg als Film…

18. Juni 2013

Die Sonne im Tessin brennt, die Halle ist gerammelt voll, mehrere Hundert Gäste feiern das Bergfest. Die Hälfte der Festen Fahrbahn ist gebaut, Qualität und Genauigkeit stimmen, die Stimmung ist ausgelassen, gleich hat der Film Premiere: Mission Millimeter. Ich bin nervös. Gedanken jagen mir durch den Kopf: „Vielleicht erzählen wir doch zu langsam? Finden Lederjacken-Monteure unsere Bilder gut? Was, wenn am Ende des Films erst Stille und dann verhalten-pflichtschuldiger Applaus kommen?“ Rückblende: Regisseur, Cutter und Producer ringen seit Tagen mit dem Material, den Erzählsträngen, den wunderschönen Einstellungen vom Weicheneinbau. Langsam schält sich der Film aus dem Material heraus. Aber nur langsam. Es ist harte Arbeit. Und da ist der Gotthard wieder im Spiel. Wenn man ernsthaft in ihm und mit ihm arbeitet, verlangt er alles ab. Langsam beginnen wir zu verstehen, warum der Berg für Schweizer immer der Anfang ist. Blende zurück in die Halle: In 18 Minuten weiß ich, wie die Männer den Film finden. Ich kenne jedes Bild, muss nicht auf den Screen schauen, blicke in die Gesichter der Zuschauer, versuche Reaktionen zu lesen. Und die kommen. Aber anders als gedacht. Ich sehe Männer „mit PiPi in den Augen“, wie sie es ausdrücken, Männer die ergriffen sind. Sie sind ergriffen von dem,was sie bis zu diesem Tag geleistet haben, worüber aber die wenigsten von ihnen nachdachten. Sie sind zu bescheiden, um stolz zu sein. Aber sie lassen sich von Bildern berühren, die wahr sind und gleichzeitig die Schönheit ihrer Arbeit zeigen.

28. Oktober 2015

Durch den Basistunnel jagen Testzüge mit 250 Km/h, die Feste Fahrbahn ist fertig gestellt. Schneller als geplant, günstiger als veranschlagt und mit einer großen Auszeichnung geehrt: Dem Deutschen Project Excellence Award 2015 für herausragende Projektsteuerung und vorbildliche Kommunikation mit „Gänsehaut-Effekt“. Ich freue mich, dass wir mit unseren Filmen dazu beitragen konnten. Der Gotthard hat uns Glück gebracht.

In Teil 1 der vergangenen Woche: Jagd auf den Betonzug, Ewige Dunkelheit, Die erste Schicht.

Koenigsfilm am Gotthard-Basistunnel

7 Jahre filmen im Tunnel – Die Gotthard-Chronik

Teil 1: Jagd auf den Betonzug und ewige Dunkelheit

Am 1. Juni wird der Gotthard Basistunnel eröffnet. Der längste Eisenbahntunnel der Welt hat Tausende von Menschen beschäftigt – als Planer, Bauherren, Ingenieure, Projektleiter, Monteure und auch als Filmemacher. Ohne Übertreibung: Der Gotthard hat mein Leben in den vergangenen 7 Jahren mitbestimmt. Deshalb wage ich es, meine Erfahrungen mit dem Gotthard zu berichten. Heute und in einer Woche mit dem zweiten Teil.

28. September 2009
Regentropfen werden zu silbernen Streifen, der Fahrtwind zieht sie horizontal über die Scheiben. Unser Zug hetzt über das Gleis, Ziel ist Paris. Im Bordbistro stapeln sich Lichtkoffer und Stativtaschen. Wir sind auf dem Weg zu einer Fabrikhalle. Von diesen Hallen gibt es Millionen auf der Welt, aber nur eine, in der etwas gebaut wird, was es vielleicht nie wieder geben wird: ein Betonzug. „Hört sich simpel an, ist es aber nicht!“ Mit diesem Satz leitet Projektleiter Detlef Obieray unser Meeting ein. Obieray ist Ingenieur. Ein offener, sympathischer, zielstrebiger Mann mit dem Glauben an Ziele und die Wirkung guter Kommunikation. Deswegen will er den Film. Man hat ihm davon abgeraten: zu kompliziert, bringt nichts, kostet nur Geld. Nach Fertigstellung des ersten Films werden sie uns anrufen und sagen: „Wir wollen genau das, was er hat!“ Obieray weiss: Ein best-practice-Film zu diesem Jahrhundertprojekt wirkt nach Außen und nach Innen. Am Tisch des Bordbistros im TGV auf dem Weg nach Paris bekritzeln wir Servietten, entwickeln, verwerfen, und uns beiden ist klar: Dieses Filmprojekt wird uns noch Jahre beschäftigen.

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Gelb, gelb, gelb. Wohin man sieht: gelbe Waggons. Und Schweiss. Und Schweissgeräte. Männer mit tätowierten Oberarmen, in Overalls, mit Schutzbrillen, und – alle tragen einen Helm. Daran kommt hier keiner vorbei. Auch nicht der Kameramann. Sie nennen es „Zero Harm“. Eine Kampagne, die Unfallrisiken minimieren soll. Wir stellen uns darauf ein, bauen für den Tonmeister einen Kopfhörer passgenau in den Helm ein. Hier also wird das Monstrum gefertigt – insgesamt 500 Meter lang, ein Betonwerk auf Rädern. In Einzelteilen steht er da. Unbegreiflich, wie diese Waggons eines Tages frischen Beton im Tunnel produzieren sollen. Für die Ingenieure von Balfour Beatty Rail und Alpine ist das keine Frage.

26. November 2009
Wir können das natürlich, schnell einen Dreh organisieren. Im November 2009 ist es allerdings sehr knapp. Wir müssen wieder nach Frankreich. In 24 Stunden werden die Waggons des Zuges auf die Chassis gesetzt, um sie dem drohenden Zugriff französischer Behörden auf den Hersteller zu entziehen.
Filmisch gesehen keine Riesenaufgabe, dokumentarisch aber ein must-have. Niemand von uns kann gut genug Französisch sprechen, um der Kran-Crew zu erklären, welche Bilder wir brauchen. Da die Herren sich aber ohnehin mit Zeichensprache verständigen, übernehmen wir das Vokabular. Zeigefinger zum Himmel, drehende Handbewegung: Anheben! Handflächen flach ausgestreckt und mehrfach überkreuzen: Stopp!

17. März 2010
Wir fühlen uns wie Tierfilmer. Wir liegen auf der Lauer. Leider nicht im Tarnzelt bei 25 Grad, sondern auf einer viel befahrenen Brücke in Basel. Es ist kalt. Wir wissen nicht, wann er kommt. Wir wissen nur: Hier muss er durch, hier gehts zum Zoll. Der Blick von der Brücke reicht bis in den SBB-Bahnhof. Dort gibt es eine Kurve, und wenn wir dort gelbe Waggons sehen – ist es eigentlich schon zu spät! Dann erst die Kamera starten und den Record-Knopf drücken, würde uns zu viel Zeit kosten. Wir haben nur eine Kamera dabei, die den Zug auf den vor uns liegenden 1000 Metern in unterschiedlichen Einstellungsgrößen filmt, damit wir schneiden können. Jetzt müssen wir tricksen. Zwei Mann warten im Café und erholen sich von der Kälte, der dritte bleibt an der Kamera. Wir filmen mit Picture Cache. Die Kamera nimmt permanent auf, speichert aber nur die letzten zwei Sekunden. Wenn wir den Zug sehen, müssen wir nur auslösen und haben die zwei Sekunden davor auch gesichert.

18. März 2010
Zum Glück gehört der Schweizer Güterverkehr zu den bestorganisierten Verkehrsunternehmen weltweit. Das muss auch so sein, sonst würde man den Verkehr nicht reibungslos über Rampen und durch Wendetunnel zum Gotthard-Scheitelpass hinaufbringen. Stimmt: Wir sind wieder Tierfilmer, diesmal aber mit einem Timeslot für den Zug ausgerüstet. Danke SBB Cargo! Ein Zeitfenster hilft aber nicht dabei, sich in Wassen zu orientieren. Der Ort ist berühmt für seine Tunnel und Schleifen, die die Gleise hier ziehen. Unser Kameramann hat zwar den perfekten Standort gefunden, fragt aber immer wieder: „Also nochmal: Wie kann der Zug nach Süden fahren, wenn er Richtung Norden aus dem Tunnel kommt?“ Er kann. Das Geheimnis sind Spiraltunnel im Berg, durch die der Zug Höhe gewinnt. Das Ansitzen hat sich dann gelohnt. Der Betonzug erreicht den nördlichen Aufstieg zum Gotthard-Pass, fährt hinauf. Kaum noch sichtbar in der letzten Einstellung. Drehschluss.

24. Juni 2010
Der Pilot kommt aus der Nähe von Thun. Er fährt so Auto wie er fliegt: schnell und präzise, pünktlich am Set. Er wird angemessen bezahlt, mit einigen Tausend Schweizer Franken am Tag. Dafür bleibt sein Fluggerät aber länger in der Luft als alle anderen. Und das brauchen wir heute, an diesem strahlend schönen Tag in Biasca, im Tessin. Wir filmen den Betonzug an seinem Einsatzort und wir fliegen um seine Dimensionen zu zeigen. Der Pilot bringt noch einen mit: den Fotografen. Und sie haben einen Oktokopter am Start, eine Drohne mit acht Propellern. Wir produzieren hier mit einem der ersten Drohneneinsätze in der deutschen Filmproduktion und haben sicherheitshalber noch eine zweite Kamera am Boden. Aber das Drohnenteam ist Weltklasse: Dionys und Davide fliegen inzwischen Live-Bilder bei Skirennen. Hier am Installationsplatz arbeiten sie sich mit jedem Anflug dichter heran an das perfekte Bild. Deswegen zählt jede Minute, die der Akku länger hält. Schaulustige kommen, Arbeiter, Ingenieure, alle beeindruckt vom Aufwand, mit dem wir versuchen, ihre Ideen und ihre Arbeit adäquat abzubilden.

10. Dezember 2010
Der Wecker klingelt, aber das hätte er sich sparen können. Ich bin schon wach. Wie immer vor wichtigen Drehtagen schlafe ich halbstundenweise. Heute Nacht müssen wir pünktlich raus. Endlich geht es los: Unsere erste Schicht im Gotthard Basistunnel. Es ist vier Uhr morgens, nur in drei Zimmern im Hotel Nazionale in Biasca brennt Licht. Wir werfen uns in die Kluft: baustellensicherheitsrotorangene Hose, gleiche Farbe fürs Polohemd, darüber Fleece-Jacke und darüber Shell mit Reflektorstreifen. Der Kameramann hasst sie. Fällt Licht im falschen Winkel darauf, sehen Arbeiter im Tunnel aus wie verirrte Zebras im Fernlicht. Dann noch den Helm greifen. Der Installationsplatz liegt dunkel im Tal. In seinem Restaurant nah bei den Arbeiterunterkünften ist Hochbetrieb. Die 25 Männer, die mit dem Zug gleich kilometerweit in den Tunnel fahren, frühstücken wie die Wrestler: Eier, Speck, Rührei, Brote, Milch, Joghurt und Liter von Kaffee. 12 Stunden harte Arbeit liegen vor ihnen. Wir greifen auch zu, Lunchpakete müssen mit, denn es gibt kein Zurück. Wer rein fährt bleibt im Berg, bis die Schicht zu Ende ist. Umgekehrt: „Schnell mal was aus dem Kamerawagen holen“ geht nicht. Der Gotthard ist ein strenger Lehrer. Was am Ende fehlte, war genug Trinkwasser.

Früher Abend: Der Personenwagen mit der Frühschicht erreicht den Tunnelausgang. Nichts tut sich. Es bleibt dunkel. Nein, es wird noch dunkler. Die Baubeleuchtung in der Röhre suggerierte wenigstens eine Idee von Tag. Aber der ist schon lange vorbei. Wir sind einigermaßen erschöpft, voller Adrenalin und können nicht runterfahren: Diskussion um den shot-of-the-day und die Learnings für morgen. Die Männer auf der Bank gegenüber haben schon abgeschaltet. Sobald der Personenwagen sie im Tunnel aufnimmt, beginnen viele zu schlafen, andere starren Löcher in die staubige Luft. Für uns ist es heute Abend nur mit Duschen nicht getan. Unser Equipment braucht Pflege. Der Staub ist Gift für die Elektronik. Das Hotelzimmer wird zur Werkstatt. Dann packen wir und bereit uns vor für Morgen: den nächsten Drehtag im Gotthard Basistunnel. Zwei liegen noch vor uns. Der Respekt für die Arbeiter, die das 10 Tage am Stück und über mehrere Jahre hinweg durchziehen, ist gewaltig.

In Teil 2 in der kommenden Woche: Die Millimeter-Männer, Schweizerwerden, Sonnenbrand im Tunnel, Die Gotthard-Umarmung, Excellence-Award.

Employee Advocacy ist ein wichtiger Bestandteil der UNternehmenskommunikation

Employee Advocacy – So werden Ihre Mitarbeiter Markenbotschafter

Teil 6 unserer Serie „Was ist Employer Branding? Und wenn ja, wie viele?“

Ihre Mitarbeiter arbeiten gerne bei Ihnen?

Sie haben sich beim Onboarding alle Mühe gegeben, den neuen Mitarbeiter in das Unternehmen zu integrieren? Dann ist es höchste Zeit, diese zufriedenen Kunden … äh … Mitarbeiter als Markenbotschafter zu nutzen.

 

Identifikation mit dem Unternehmen

Damit ein Mitarbeiter überhaupt den Drang verspürt, Markenbotschafter für seinen Arbeitgeber zu werden, sollte er sich zunächst mit dem Unternehmen identifizieren. Nur so wird er freiwillig seinen guten Ruf im Bekannten- und Freundeskreis riskieren, um die Botschaften und Produkte seines Arbeitgebers zu teilen.

Die emotionale Bindung an das Unternehmen, das sogenannte Employee Engagement, wirkt sich primär auf die Produktivität der Arbeitnehmer und damit auch auf den Unternehmenserfolg aus.

„While people define engagement in various ways, I prefer a plain and simple definition: People want to come to work, understand their jobs, and know how their work contributes to the success of the organization.“ – John Baldoni

 

Employee Engagement verbessert die Bleibe-Rate der Arbeitnehmer und fördert die Produktivität. Nach einer Gallup Umfrage gibt es in Unternehmen mit stark indentifizierten Mitarbeitern weniger Unfälle, weniger Verletzte und eine höhere Qualität der Arbeit.

Die positive Erfahrung, die Ihr Arbeitnehmer in Ihrem Unternehmen macht, kann auch für das Marken-Image und Employer Branding genutzt werden. Persönliche Kontakte und Gespräche haben eine stärkere Wirkung als Werbebanner oder Stellenanzeigen.

„The most credible form of advertising comes straight from the people we know and trust. Eighty-three percent of online respondents in 60 countries say they trust the recommendations of friends and family, according to the Nielsen Global Trust in Advertising Report released today. This level declined one percentage point from 2013 (84% in 58 countries).“

 

Teilhabe an der Kommunikation

Zwei Unternehmensbereich profitieren besonders von Employee Advocacy: Im HR-Bereich kann über persönliche Kontakte nach passenden Arbeitnehmern gesucht und das Image des Unternehmens als Arbeitgeber gepflegt werden. Im Vertrieb kann das Vertrauen in die Produkte gestärkt werden. Deshalb ist es wichtig, Mitarbeiter aus HR und Vertrieb in Maßnahmen zur Stärkung der Employee Advocacy einzubinden.

Ein schöner Nebeneffekt: Die Mitarbeiter dieser Abteilungen sollten besonders motiviert sein, an Kampagnen mitzuwirken.

Weit verbreitet und von Experten empfohlen ist die Einbindung der eigenen Mitarbeiter auf der Webseite. Erster Einstieg der Mitarbeiter in die Teilnahme an Kampagnen ist dabei oft die Überlassung des Rechts am eigenen Bild. Schon dafür muss zumindest eine gewisse Identifikation vorhanden sein. Und von beiden Seiten die Einschätzung, dass man auch künftig zusammenarbeitet.

Die Teilnahme an Bewegtbild-Produktionen ist der nächste Schritt und eine großartige Möglichkeit, sowohl die Bindung an das Unternehmen zu steigern, als auch die Mitarbeiter als Botschafter zu nutzen. Seien Sie mal ehrlich: Sie würden einen Unternehmensfilm, in dem Sie einen großen Auftritt haben auch mit den Freunden und der Familie teilen, oder?

 

Social Media Engagement

Ihre Mitarbeiter aktiv an der Unternehmenskommunikation zu beteiligen, ist für viele Unternehmen noch nicht denkbar. Sie wollen die Kontrolle behalten aus Angst davor, dass Betriebsgeheimnisse verraten, unvorteilhafte Fotos vom Chef veröffentlicht, oder die Marke beschädigt wird.

Reality Check! Die Kontrolle, wer wo wie über Sie redet haben Sie schon verloren. Auf Google Maps, Facebook, Yelp, TripAdvisor und Kununu. Sollten unglückliche Mitarbeiter darunter sein, beschweren die sich ohnehin schon über ihren Arbeitgeber. Chancen Check! Mit engagierten und emotional gebundenen Mitarbeitern haben Sie eine eigene kleine Kommunikationsarmee, die Sie in den Imagekampf schicken können.

Auf jeden Fall angebracht ist es, einige Grundregeln festzulegen, wie sich Mitarbeiter als Teil des Unternehmens präsentieren dürfen. Diese Regeln lassen sich in einem Social Media Handbuch festhalten.

Diese Grundregeln sollten folgende Themen abdecken:

  • Was kann auf keinen Fall kommuniziert werden
  • Wie soll mit Kommentaren und Trollen umgegangen werden
  • Was unternimmt man im Fall eines Kommunikationsunfalls
  • Wer kann mir helfen, wenn ein Post aus dem Ruder läuft

Der Mitarbeiter ist kein Kommunikationsprofi. Und das soll er auch nie werden, weil sonst die Glaubwürdigkeit seiner Aussagen auf der Strecke bleibt. Auch wenn er sich an alle Vorgaben hält, kann es geschehen, dass ein Beitrag negative Aufmerksamkeit bekommt. In diesem Fall ist es extrem wichtig, den Mitarbeiter zu unterstützen und ihm die Sicherheit zu vermitteln, dass die Medienprofis gern helfen, den Schlamassel zu beseitigen. Ohne weitere Konsequenzen. Nur wenn Mitarbeiter das Vertrauen darin haben, dass ein Post nicht ihren Arbeitsplatz gefährden kann, fühlen sie sich sicher genug wirklich gute und kreative Botschaften zu erstellen. Und nur dann haben sie wirklich etwas von Ihrer Employee Advocacy.

Hier finden Sie eine ausführliche Liste von Social Media Handbüchern. Stöbern Sie und suchen sie sich die passenden Passagen für ihre Unternehmenskommunikation. Die Investition lohnt sich.

 

Homogene Umsetzung Ihrer Employee Advocacy

Die Integration der Mitarbeiter in die Unternehmens-Kommunikation kann graduell gesteuert werden:

  • Sie können in den Kanälen Ihre Mitarbeiter zum Teilen auffordern
  • Sie können zu jedem neuen Post eine interne Email mit der Bitte verschicken, diesen Post zu teilen
  • Sie können Ihre Mitarbeiter darum bitten, Freunde, Familie und Bekannte in Kanäle oder Webseiten einzuladen
  • Sie können Wettbewerbe mit dem Ziel veranstalten, welche Mitarbeiter am meisten Follower, Likes oder geteilte Inhalte generieren
  • Sie können Mitarbeiter ermutigen, eigene Posts und Informationen zu teilen

 

Besonders für den letzten Punkt wurden ganze Software-Suiten entwickelt, die eine Art Intranet kreieren, das speziell auf die Förderung der Employee Advocacy ausgerichtet ist. In diesem werden Vorschläge für Posts gesammelt, den anderen Mitarbeitern zur Verfügung gestellt und schließlich von den Verantwortlichen in die offizielle Kommunikation übernommen. Hier wird auf die Mitbestimmung der Mitarbeiter gesetzt.
Die Social-Media-Beiträge für Blogs, Facebook, Twitter oder Instagram können von Mitarbeitern vorgeschlagen werden, eine Abstimmung entscheidet über die Veröffentlichung. Dabei haben Marketing oder HR immer die Kontrolle, was schließlich auf der offiziellen Seite erscheint.

Um Hemmungen abzubauen und zu motivieren, könnten Sie für erfolgreiche Themen-Vorschläge Incentives ausloben.

Durch den Entstehungsprozess und die Auswahl der Themen, sind Mitarbeiter schon vor dem Erscheinen des Beitrags eingeweiht – dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Post im privaten Facebook oder Twitter-Account geteilt wird.

So wird die Employee Advocacy in ihrem Unternehmen ein Erfolg.

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"Was ist Employer Branding und wenn ja wie viele."

Die Themen unserer Reihe „Was ist Employer Branding und wenn ja wie viele.“

  1. Was ist Employer Branding – und wie Sie Video dafür nutzen
  1. Recruiting –  Der Arbeitnehmer als begehrter Kunde
  1. Moderne HR – mit Werkzeugen und Know-How zum Erfolg
  1. Retention – Wie Sie Ihre Mitarbeiter langfristig binden: Interne Kommunikation
  1. Onboarding – Der schnellste Weg Ihre Mitarbeiter effektiv einzusetzen
  1. Employee Advocacy – So werden Ihre Mitarbeiter Markenbotschafter

 

Foto: Ausschnitt aus unserem Recruiting-Video für die Deutsche Bahn AG