Unsere Praktikantin Johanna am Filmset

Abenteuer Filmset – Das erste Mal beim Filmdreh!

Unsere Praktikantin Johanna Thomé ist zum ersten Mal auf einem Filmset dabei und wird direkt ins kalte Wasser geschmissen. Sie berichtet hier von ihren Erfahrungen.

Die ersten Momente am Filmset sind wie eine unscharfe Kameraeinstellung. Personen wischen durch das Bild, alle stehen sich im Weg und es stellt sich partout kein Fokus ein. Bis dann der Moment kommt, in dem alles wie am Schnürchen läuft. Und all das wird dirigiert von einem Mann, bei dem alle Fäden zusammenlaufen – wie Paris oder Rom, wo alle Wege hinführen.

Holger führt Regie

 

Opfer müssen sein

Wir sind beim Niedersächsischen Studieninstitut NSI Hannover und drehen einen Film zum Thema Brandschutz. Es  ist mein erstes Mal an einem Filmset. Ich reise mit als Setrunnerin und Regieassistentin. Damit stehe ich ganz unten in der Nahrungskette und meine Aufgabe ist es, den kreativen Filmemachern den Rücken freizuhalten – komme, was wolle. Auch wenn ich dafür eine Stunde lang mit nur einem Schuh herumlaufe oder ein Feuerwehrauto zum Halten bringen muss.

Weil ich zwei Rollen gleichzeitig erfülle, muss ich den Ausdruck „sich für den Job zweiteilen“ wörtlich nehmen: In einer Sekunde halte ich den Monitor für den Regisseur und blocke den Verkehr, in der nächsten Sekunde muss ich Getränke für das Team holen und Komparsen für die folgende Szene vorbereiten. Jetzt muss ich auch noch den Komparsen erklären, wie man möglichst natürlich in einer Gruppe steht und wartet. Dabei bin ich laut meiner Familie die schlechteste Schauspielerin der Welt.

Unsere Praktikantin Johanna mit nur einem Schuh unterwegs auf dem Filmset von NSI

Besser als die Profis

Unser Problem heute: Die Komparsen stehen uns nur bis 14 Uhr zur Verfügung und erhalten außerdem zwischendurch ihre Prüfungsergebnisse. Die Komparsen sind eine unerfahrene Schülergruppe, aber zum allgemeinen Erstaunen streichen wir einen One-Taker nach dem anderen ein: in ihrer gespielten Panik rennen sie Stühle um und sich gegenseitig über den Haufen, beklagen sich nicht einmal über Stürze. Sie prallen alle wie fensterblinde Schwalben gegen die geschlossene Brandschutztür und schreien wie am Spieß, als sie den künstlichen Qualm entdecken. Sie sind besser als jeder Profi. Der blonde Jochen wird der Einfachheit halber Buddy genannt, weil er einfühlsam den Rollstuhlfahrer im Chaos beschützt. Denn Chaos brauchen wir für den Film. Und Tim wirk plötzlich ganz natürlich, als ihm die Rolle zugeteilt wird, einen im Smartphone vertieften Schüler zu spielen.

Komparssen betrachten am Filmset ihre Arbeit

Problem? – Gelöst!

Die Einstellung: eine 180° Kamerafahrt um einen der Schüler herum, kurzfristig entschieden, keine Zeit dafür Schienen für den Dolly aufzubauen. Uns bleibt nichts Anderes übrig, als uns einen Rollstuhl auszuleihen. Wir platzieren darauf den Kameramann mit Kamera und die Einstellung gelingt tatsächlich. Wir haben nur eine halbe Stunde Zeit für die Einstellung, unser Regisseur Holger Koenig bereitet parallel die Schüler auf die nächste Szene vor: „Ihr seid richtig gut, was One-Taker betrifft; jetzt nochmal einen und dann haben wir es.“ Das ist doch Motivation pur. Dann ist Drehschluss für die Schüler und alle klatschen. Top Leistung.

 

Schwitzen – auch ohne Feuer

Die Feuerwehr Hannover trifft am Filmset ein: sie fährt mit Leiterwagen und Löschzug vor, beeindruckend ist die Drehleiter. Die Männer sind gekleidet in dicker Feuerwehrmanngarnitur. Im Nachhinein bin ich überrascht, dass keiner von ihnen einen Hitzeschlag erlitten hat, obwohl ich den ganzen Nachmittag ihre von Schweiß geperlten Stirnen im Auge behalte. Wir drehen die Szene, in der die Feuerwehr in die Straße einfährt und punktgenau, wie für die Einstellung abgesprochen, vor dem Gebäude hält. Zusammen mit Martinshorn und dem Feueralarm des Gebäudes klingt es, als stünde der Weltuntergang bevor. Die Feuerwehrmänner halten tapfer den ganzen Nachmittag durch, während wir sie bitten, unterschiedliche Aktionen zu wiederholen und zu wiederholen und zu wiederholen, damit wir noch mehr Aufnahmen aus unterschiedlichen Winkeln machen können.

Freiwillige Feuerwehr Hannover am Filmset für den Brandschutzfilm der NSI

Um Punkt 17:59 Uhr sind wir fertig. Wie vom Kunden gewünscht. Und dann gewinnen wir auch noch das Spiel gegen Nordirland.

Ein perfekter, wenn auch intensiver Tag.

 

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Der Klang des Gotthard hat sich mit dem Gotthard Basistunnel verändert

Der Klang des Gotthard

 

Liebeserklärung an einen Tunnel

Die Kette quietscht. „Heute Ruhetag“ verkündet das Schild am Hotel in Arth-Goldau. Ruhetag! Heute! Am Tag der Eröffnung. Über den Hintereingang geht’s dann doch in die Gaststube. Ob ich auch käme wegen des Gotthard, fragt mich die Wirtin. Der Enthusiasmus meiner Antwort steht in krassem Gegensatz zu ihrer Unaufgeregtheit. Man könnte den Eindruck haben, „die Dütsche“ begeistern sich mehr für das Projekt als die Schweizer selbst, zumindest hier im Kanton Schwyz. Aber das ist ein Irrtum.

Am nächsten Morgen taucht der Regen den Weg zum Bahnhof in einen Spraynebel. Gleich geht es los, gleich steige ich in den Zug, gleich fahren wir nach Süden, durch den Gotthard Basistunnel.
Was soll schon sein? 20 Minuten bei Dunkelheit durch eine Röhre fahren, was ist daran faszinierend? Die Geschwindigkeit? Die Machbarkeit?

 Altdorf

Der Klang der Röhre

Im Zug um mich herum befinden sich Menschen, die am Bau des Tunnels beteiligt waren. Sie alle waren schon drin, kennen den Staub dort und diesen sphärischen Ton. Ja, wirklich, der Gotthard hat einen eigenen Klang. Den konnte man während des Ausbaus hören, wenn man sich weit weg genug von Maschinen und Menschen der Transtec Gotthard bewegte. Wenn niemand sich regte, baute er sich der Ton langsam auf: ein kontinuierliches, bassiges Vibrieren der Luft. Man hörte in diesem Klang die Ewigkeit des Gesteins und erfuhr in diesem Moment, dass der Tunnel ein Nichts ist, im Vergleich zum Berg. Dann spürte man die Größe des Projektes und die eigene Bedeutungslosigkeit.

 

Der Klang des Zuges

Der Klang des Tunnels ist heute anders. Laute Gespräche, Lachen und Fachsimpeln füllen die Luft im Großraumwagen der SBB. Unser Zug nähert sich dem Nordportal. Dort gibt es einen Fahrbahnwechsel: vom Schottergleis auf eine, wie sie es nennen, Feste Fahrbahn. Diese Fahrbahn ist ein Schienenband von Weltklasse, in Beton gegossen, so genau wie kein anderes. Gleich fährt der Zug in die Röhre. Gibt’s dann einen Knall? Nein. Spürt man Druck bei der Einfahrt? Nein. Statt dessen ertönt Applaus von Frauen und Männer um mich herum, die stolz sind auf ihren Beitrag zum Gelingen. Neben mir sitzen Experten für Telekommunikation und messen die Stärke des Mobilfunknetzes. Sie wollen den Beweis erneut haben, obwohl die Funktion schon viele Male überprüft wurde. So sind die Leute hier, sie leben ihren Beruf. Ich sende ein Video-Tweet mit LTE-Geschwindigkeit aus einem Zug mit Hochgeschwindigkeit in die digitale Welt. Beeindruckend.

Der Klang des Projektes

Der Klang des Gotthard ist heute hypnotisch, wenn man sich von der Aufregung der Passagiere entfernt. Genauso wie das Bild, das man sieht. Danke Simon Geisler für das Wort. Die Lichtstreifen rühren von runden Lampen der Notbeleuchtung, verwischt durch die Geschwindigkeit des Zuges. Der wird dann langsamer, wir erreichen Bodio, alles aussteigen, fertig. Mein erster Gedanke: „So schnell? Und dafür der ganze Aufwand? Dafür Milliarden und 17 Jahre Bauzeit?“ Exakt. Dafür. Für unglaublichen Fahrkomfort, als ob der Zug schwebt.
Der Kontrast: Während ich diesen Blog schreibe, schraubt sich der Interregio weiter zum Gotthard-Scheiteltunnel hoch, in jeder Kurve rutscht mein Notebook zur Seite.
Und soviel Aufwand für Geschwindigkeit und Naturschutz. Der Klang des Gotthards ist eben auch der ungeheure Lärm von Güterzügen und 40-Tonnern auf der Straße. Die werden, jedenfalls zum größten Teil, in den Tunnel verbannt.

 

Der Klang des Dankes

Diejenigen, die um mich herum im Festzelt sitzen, schätzen Ernsthaftigkeit wenn es um ihre Arbeit geht. 2000 Planer, Ingenieure, Monteure und Projektverantwortliche haben die vergangenen Jahre mit und im Tunnel verbracht. Ihre Aufgabe war, so genau wie möglich zu arbeiten, damit nichts Unvorhergesehenes geschieht, bei Tempo 250 in der Röhre. Sie sind dabei bescheiden geblieben und freuen sich, als ein Gerücht die Runde macht: Die Doris kommt! Gemeint ist Doris Leuthard, Bundesrätin für Verkehr, die Schweizer Verkehrs-Ministerin. Sie war gestern schon am Gotthard, begleitete die Staatsgäste bei der offiziellen Eröffnung. Jetzt bedankt sie sich: schnörkellos, authentisch, in Schwyzerdütsch. Und dann hört man einen neuen Klang am Gotthard: Standing ovations für eine Ministerin, von Menschen, die Danke sagen fürs Dankesagen.

Der Klang des Gotthard

Der Klang des Gotthard, das sind auch die Wasserfälle direkt am Bahnhof von Biasca. Wer in Zukunft schnell von Mailand nach Zürich fahren will, wird ihn verpassen. Ebenso das Schleifgeräusch der Waggonräder auf den Schienen der Wendetunnel, wenn sich der Zug bei Giornico mühsam in die Höhe schraubt. Das muss man mögen wie das Kratzen von Vinyl-Schallplatten, in Zukunft nur noch ein Genuss für Liebhaber. Ich werde ihn vermissen und freue mich gleichzeitig auf die  schnelle Verbindung nach Mailand. Bald von Zürich aus in gut zweieinhalb Stunden. Ein neuer, cooler Klang.

 

Gotthard-Basistunnel_Südportal

Behind the Scenes – Koenigsfilm im Gotthard Basistunnel

Heute wird der Gotthard Basistunnel eröffnet.

Unser international mit Awards ausgezeichnete Film „Mission Millimeter“ erzählt die Geschichte von zwei Bauleitern am Gotthard Basistunnel. Ihre heikelste Aufgabe war der Einbau von Hochgeschwindigkeitsweichen in die engen Tunnelröhren unter enormem Zeitdruck. Regisseur Martn Bondzio und Produzent Holger Koenig beschreiben was hinter den Kulissen geschah, um diesen Film unter extrem ungewöhnlichen Bedingungen herstellen zu können.

Wie kommt die Weiche in den Tunnel?
Eine von vielen Fragen, die Regisseur Martn Bondzio im Film „Mission Millimeter“ dokumentieren durfte.
Zur Eröffnung des #Gottardo2016 erzählt er von den ungewöhnlichen Arbeitsbedingungen und spannenden Erlebnissen im längsten Eisenbahntunnel der Welt.

 

 


Ein besonderer Film für ein besonderes Projekt:
Holger Koenig – Produzent von „Mission Millimeter“- mit einem ganz persönlichen Rückblick auf die Dreharbeiten im Gotthard Basistunnel.

Die Belohnung für all die Mühen kommt morgen: Holger Koenig darf um 11:30Uhr als einer der ersten durch den heute eröffneten Gotthard Basistunnel mitfahren.
Von diesem einmaligen Erlebnis erzählt er am Freitag. Hier im Blog.

 

 

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