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Podcasts verweilen in Deutschland noch in einem Dornröschenschlaf

Podcasts richtig produzieren

Das Dornröschen der B2B-Kommunikation

Gleich zu Beginn: Danke an Jeff Julian von squareddigital. Jeff ist freundlich, open-minded, begeistert von seiner Arbeit und immer bereit, sein Studio zu erklären. Er ist Profi – egal auf welcher Seite der Kamera und zeigte mir auf der CMWorld 2016 in Cleveland sein öffentliches Studio.

 

Natürlich können Sie sich sofort ins Video stürzen, viel Spaß, aber… da gibt’s noch ein paar kleine Dinge, die nützlich sein könnten, bevor neues Equipment angeschafft wird. Zunächst die Zahlen. Egal ob Audio- oder Videopodcasts: die Nachfrage steigt. Ein Indiz dafür, dass digitale Mediennutzung spannend sein kann, ohne live sein zu müssen. Das Podcast-Angebot steigt, der englischsprachige Markt wächst deutlich, der deutschsprachige zieht nach. Der amerikanische Podcast-Hörer ist zwischen 18 und 34 Jahre alt und besser gebildet als der Durchschnitt, schreibt der Branchendienst KressPro in seinem Magazin (7/2016, S.49). Diese Beschreibung entspricht den Untersuchungen in Deutschland. Hier stieg die Nutzung von Podcasts von 2014 auf 2015 sprunghaft an (ARD/ZDF Online Studie).

 

Entsprechend dem amerikanischen Content Marketing Credo „Get rich in your niche“ gibt es inzwischen außer Unterhaltung viele Special-Interest-Angebote. Technisch gesehen ist der Start eines Podcasts kein Hexenwerk, sehr verführerisch also unbedacht einzusteigen. Aber, warnt Podcast-Host und Content Marketing Experte Joe Pulizzi:

„Podcasting isn’t for beginners. You need to have an audience first!“ – Joe Pulizzi

 

Wer sichtbar sein will, muss nicht nur eine „audience“ haben, sondern Qualität bieten, inhaltlich, wie technisch. Einen Audiopodcast in mittelmäßiger Tonqualität hält der User eben nur eine begrenzte Zeit aus. Deswegen: Nicht am Equipment sparen. Natürlich kann man sich zusammen vor das Mikrofon oder die Kamera setzen „und mal loslegen“. Die Resonanz wird enttäuschend sein. Podcasting braucht Vorbereitungs- und Produktionszeit, sowie Zeit für die Kommunikation mit Usern. Darin wiederum liegt auch die Stärke der Podcasts: Sie gehen in die Tiefe des Themas, User nehmen sich die Zeit zuzuhören und zuzusehen.

„Podcasting is an extremely intimate way to interact with your audience“, sagt Robert Rose, Podcast-Partner von Pulizzi.

 

Insofern scheinen Podcasts also wie gemacht für die B2B-Kommunikation. Die Technik ist beherrschbar, Investitionen klein, Themen vorhanden, warum also dieser Dornröschen-Schlaf? Weil nur durchdachte Formate zum Erfolg führen und eine Produktionsweise, die … ach, das soll er selbst erzählen: Jeff Julian.

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Flooroplan, Kameramann

Filmjobs hinter der Kamera – Kameramann – Mit dem Blick für alles

Mathias Geck ist begeistert von seinen Berufen, denn er hat eigentlich zwei: Kameramann, und Grader, als Experte für die Farbkorrektur. Im Interview wird aber schnell klar, dass sein Herz für die Kameraarbeit schlägt. Schon in der Schulzeit, zwischen Mathearbeiten und Hausaufgaben, drehte er eigene Filme mit Freunden. Inzwischen sind daraus große Produktionen geworden. Im Interview erzählt er ruhig und selbstbewusst, wie ein hochkarätiger Kameramann arbeitet.

Holger Koenig: Mathias, Du bist der Mann, der alles als Erster sieht. Wie wird man Kameramann?

Mathias Geck: Alles, was tiefer gehende Kamera als Reality-Fernsehen betrifft, habe ich am Set gelernt und durch Weiterbildungen und virtuelle Workshops und Tutorials aus dem Internet. Das Wissen liegt heute auf der Straße, man muss es aber auch einsammeln.

HK: Man kann also ein guter Kameramann werden, wenn man sich lange genug im Internet umguckt?

Mathias Geck: Was die Theorie betrifft, kann man da wahnsinnig viel lernen. Es gibt Hollywood-Kameramänner, die wirklich komplett aus dem Nähkästchen plaudern und mit Skizzen zeigen, wie ein großes Set aufgebaut wird. Aber ein ganz wichtiger Faktor ist natürlich: Praxis, Praxis, Praxis. Man muss einfach drehen so viel man kann und sich auch nicht zu schade sein für unangenehme Aufgaben. Schweres schleppen, harte Tage als Lichtassistent durchziehen und einfach mal ein bisschen leiden, um zu merken, wie das in den Positionen so ist, die um die Kamera herum existieren. Ich habe „Angewandte Medienwissenschaften“ in Berlin studiert, das war aber nur eine Grundlage.

HK: Eine Kamera kaufen kann sich jeder, aber wenn’s ans Bedienen geht, scheiden sich Profis von Amateuren …

Mathias Geck: Da würde ich definitiv zustimmen. Auch bei großen Produktionen kommt es leider vor, dass der Grader sagt: „Da kann man nichts mehr machen, das ist das Setup der Kamera.“ Es gibt ein Riesenpotenzial in den Settings der Kamera. Das ist wie bei einem Formel-1-Rennwagen: Der Wagen muss auf das kommende Rennen abgestimmt werden, bevor es auf die Strecke geht. Speziell die Wahl der Gammakurve z.B. ist unglaublich wichtig, damit man später in der Postproduktion den maximalen Kontrastspielraum des Sensors nutzen kann.

HK: Wenn ein Kunde neben Dir steht und Du beschäftigst Dich zunächst ausgiebig mit den Setups der Kamera, statt gleich zu drehen, wie erklärst Du diesen Zeitaufwand?

Mathias Geck: Das ist relativ einfach. Diese Zeit spart bares Geld. Entweder in der Postproduktion oder sogar das Budget für einen Nachdreh. Allerdings ist der größte Teil dieser Vorbereitung erledigt, bevor der Kunde und der Großteil der Crew das Set betritt. Wenn ich die Kamera falsch einstelle und harte Bilder drehe, zum Beispiel jemanden, der vor einem hellen Fenster steht, dann habe ich später nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder ein Gesicht, das ich noch erkennen kann, vor einem komplett schneeweißen, ausgebranntem Fenster zu sehen oder zu erkennen, was sich draußen befindet, aber die Person im Raum nur noch als Schattenriss wahrzunehmen. Wenn ich das aber vernünftig abstimme vor dem Dreh, dann habe ich die Möglichkeit später in der Postproduktion beides miteinander zu verbinden. Das hängt weitestgehend von den Settings der Kamera ab, mit denen man dreht.

Hyperlapse

HK: Bei einem Smartphone muss man sich entscheiden, auf welchen Bildteil die Blende eingestellt wird…

Mathias Geck: Genau, aber selbst das Smartphone kann eine Ergänzung sein. Bei einem Eventdreh haben wir letztens Hyperlapses (Zeitraffer, bei denen sich die Kamera durch die Szenerie bewegt) zusätzlich mit dem iPhone gedreht, mit absolut überragenden Ergebnissen! So ein Bild war in 3 Minuten gedreht und sofort fertig stabilisiert, dank der App. Für kleine Projekte kann das schlicht und einfach schon reichen, und man bekommt Bilder, die aus Kostengründen oder vom Zeitaufwand her sonst gar drin sind.

HK: Nochmal zum Kamera-Setup. Wenn das perfekt eingestellt ist, will man dann als Kameramann nicht auch am liebsten die Farbkorrektur machen?

Mathias Geck: In der digitalen Welt ist das Grading für mich ein essentieller Teil der Filmarbeit, genauso wichtig wie die Lichtsetzung, die auch Hand in Hand mit der Farbkorrektur geht. Man kann durch viel Erfahrung und das Zusammenspiel von Kamera und Grading viel effizienter arbeiten. In einer schwierigen Situation zum Beispiel vor einer weißen Wand, braucht man ca. 10 Minuten, bis die Beleuchter die Wand in einer komplizierten Situation mit einer Fahne abgekascht haben, damit sie nicht überstrahlt. Die müssen erstmal die Mittel aus dem Wagen holen, der Raum ist eng, wenig Platz für den Aufbau. In bestimmten Fällen kann man wirklich genau dasselbe Ergebnis mit einem Mausklick erzielen. Da ziehe ich in DaVinci die Wand mit einer Vignette einfach ein bißchen dunkler.

„Viele Kameramänner sagen: ‚Ich mag es nicht, wenn irgendwelche Leute an meinen Bildern rumbasteln‘ „

HK: Aus Deiner Sicht sind das integrierte Gewerke – Kamera und Grading?
Mathias Geck: Ja, ich finde es fast ein bisschen merkwürdig, dass so wenige Kameramänner ihre Sachen auch selbst kolorieren. Schließlich sagen viele von denen, dass sie es nicht mögen, wenn – das ist ein Zitat – „irgendwelche Leute, die ich nicht kenne, an meinen Bildern herumbasteln“. Es passiert öfters, dass die Kameraleute in der Postproduktion gar nicht mitgebucht werden. Das finde ich schade, aber das ist eben die Realität. Ich bin fest davon überzeugt, dass es stimmiger ist, wenn man als Kameramann mit dem Regisseur einen genauen Plan entwickelt hat, wo der Film hingehen soll. Dazu gehören die Bildsprache im gesamten Kontext von Einstellungsgrößen, das Framing, die Farbwahl, auch der Tapetenhintergrund am Set bis hin zum kompletten Postproduktionsprozess und dem Grading.

„Es ist einfach schön, wenn man dieses Ei auch bis zum Ende ausbrütet.“

HK: Das ist dann schon eine große Aufgabe, die man dann als Kameramann übernimmt: ein Teil Ausstattung würde dann ja auch noch dazugehören, außerdem Szenenbild und Licht…
Mathias Geck: Ja, in dieser Konstellation trägt man maßgeblich zu der Bildsprache des Projekts bei. Wenn man mit dem Regisseur alles fein abgestimmt hat, funktioniert das fantastisch. Es ist einfach schön, wenn man dieses Ei auch bis zum Ende ausbrütet und die grundlegende Vision bis zum Ende durchzieht und durchhält.

HK: Du hast aber noch keinen Spielfilm gedreht…
Mathias Geck: Doch, habe ich. Ich habe 2010 meinen ersten Langspielfilm gedreht, der hieß „eMANNzipation“, Regisseur war Philipp Müller-Dorn. Das ist ein Independent Projekt und da habe ich Kamera gemacht und war Postproduction Supervisor, aber gegradet wurde das noch von jemand Anderem. Ich bin mit den Ergebnissen zufrieden, aber die Zeitknappheit beim Grading hat dafür gesorgt, dass wir nicht so sehr in die Tiefe gehen konnten wie ich bei Details heutzutage in die Tiefe gegangen wäre. Der Film hat 13 internationale Awards gewonnen, rund um den Globus. Auf dem Kansas International Film Festival kam der Durchbruch, dort haben wir den Publikumspreis gekriegt und ab dann standen uns auf einmal viele Türen offen. Da es allerdings Independent Festivals sind, hat man keine Flugkosten bezahlt bekommen und von daher habe ich das alles schön zuhause von Facebook aus verfolgt und konnte gar nicht fassen, dass wir einen Award bekommen für einen deutschen, untertitelten Film, der in Berlin spielt mit deutschen Schauspielern.

HK: Wie sieht ein Drehtag für Dich aus?
Mathias Geck: Vor dem Drehtag ist das Essentielle, dass man einen genauen Plan hat. Es könnte hals- und beinbruchtechnisch mit gutem Glück irgendwie auch nur mit grober Vorplanung klappen und „vorort gerettet werden“, aber das gehört sich nicht. Ich habe das erlebt als Student: Wenn man an einem Spielfilmset erstmal eine Dreiviertelstunde mit dem Regisseur besprechen muss, dass der Laufweg gar nicht funktionieren kann, weil man über die Achse springt, dann stehen 20 Leute stehen da rum und warten und kriegen am Ende diese Dreiviertelstunde als Überstunden angehängt. Das ist respektlos. Da hat jemand seine Hausaufgaben nicht gemacht. Also am Anfang der Arbeit des Kameramanns steht die Locationbesichtigung. Dabei stößt man in der Regel auf, übertrieben gesagt, zehntausend Probleme und kriegt irgendwie noch neuntausendfünfhundert davon gelöst. Bei den restlichen fünfhundert muss man Alternativen finden, die trotzdem noch gut funktionieren. Anschließend schreibe ich Techniklisten, dazu kommen Rücksprachen mit dem Verleiher, manches Equipment ist doch zu teuer oder es ist schon verliehen. Man macht im Grunde aus Plan A und aus dem Mix von Plan B bis Z die perfekte Lösung. Da muss man einfach dem Prozess vertrauen, das lernt man dann über die Jahre.

„Es könnte auch nur mit grober Vorplanung klappen, aber das gehört sich nicht!“

Ich habe viele Jahre im Fernsehen gearbeitet, Magazin gedreht und auch Doku-Soap – nicht die schlimmen Sachen! – da wird oft auch, aufgrund der Aktualität, erst am Vorabend disponiert, da funktioniert es tatsächlich auch mit kurzfristiger Vorbereitung. Das sind aber kleinere Drehs mit einer vergleichsweise kleinen Logistik und Teamgröße. Aber bei einem größeren Projekt geht ohne Vorbereitung nichts. Man muss sich auch körperlich auf lange Projekte vorbereiten, wenn man Herr der Lage sein will. Ein Kameramann muss viele Entscheidungen sicher treffen, auch unter Stress und nach vielen Stunden am Set. Wenn die Vorbereitung stimmt, herrscht im Team eine Grundruhe, weil jeder weiß, was zu tun ist. Dann werden die Ergebnisse auch besser, weil man sich als Kameramann darauf fokussieren kann, die Details so gut wie möglich zu kriegen und zusätzlich in den Details noch kreativ zu sein.

HK: Woher weißt Du denn, was Du wie drehen sollst?
Mathias Geck: Wir machen bei einer größeren Produktion natürlich erstmal Drehbuchauszüge, dann destillieren wir daraus ein Storyboard und Floorplans, also im Prinzip Skizzen der Räumlichkeiten, die vorher ausgemessen sind. Im Floorplan ist eingezeichnet, wo welche Lampe steht und welche Kameraposition es geben muss, wo die Schauspieler stehen, wie die Laufwege sind und dann destilliert man daraus, in welcher Reihenfolge die Bilder gedreht werden. Wir richten uns in der Regel nach logistischen Merkmalen, sodass man nicht für eine Naheinstellung das Licht komplett umbauen muss, danach einen Gegenschuss macht und das Licht wieder auf die andere Seite umzieht.

Floorplan

HK: Warum ist denn der Floorplan so wichtig?
Mathias Geck: Ich löse eher nach Floorplans auf, weil ich damit die notwendigen Kameraeinstellungen und dadurch auch Lichtumbauten reduzieren kann. Wenn ich nur nach dem Storyboard gehe, lande ich bei einer Dialogsequenz zum Beispiel bei 20 Einstellungen. Wenn ich mir das im Floorplan anschaue merke ich: „Moment mal, von der Position 3 aus kann ich eigentlich die Nahaufnahme auch perfekt hinkriegen und muss dazu keinen großen Umbau machen.“ Das spart eine Menge Zeit am Set und bringt eigentlich so gut wie dasselbe Ergebnis.

HK: Hört sich ein wenig überproduziert an, wenn ich an Unternehmensfilmproduktionen denke…
Mathias Geck: Bei Unternehmensfilmen ist das natürlich selten der Fall. Da spielen andere Dinge eine Rolle. Ich würde sagen, das ist ein Mix aus Vorplanung, rein fachlichen, sachlichen Argumenten, Lehrbuch und zu einem gewissen Grad auch Intuition durch Dinge, die sich am Set ergeben. Sagen wir, die Sonne scheint auf eine Stelle, die man vorher nicht so genau erwartet hat, dann sagt man: „Achso, okay, also hinten mit diesem Akzentlicht, das ist ja eigentlich eine sehr schöne Geschichte. Fantastisch, vielen Dank! Das ist ein netter Zufall, der mein Bild noch schöner macht. Das nehmen wir doch so.“ Oder dass irgendein Crewmitglied – und das sage ich ganz offen, selbst wenn es ein Praktikant ist – eine gute Idee am Set hat, dann ist es einfach richtig, der Idee eine Chance zu geben.

Kameramann Mathias Geck

Was auch exzellent funktioniert, ist eine Sache, die wir beim letzten Kurzfilm angewendet haben. Wenn man die Zeit hat: einfach plump und grob mit einer kleinen Kamera vordrehen. Dann geht man mit Doubles rein in das Motiv. Man simuliert alle Kamerabewegungen einfach schon mal aus der Hüfte und testet die jeweiligen Brennweiten. Dann sieht man schon, wo es Probleme gibt. Es gibt da auch unglaublich gute iPhone-Apps, mit denen man bis auf extreme kurze Brennweiten über einen digitalen Motivsucher die Einstellungen vorher komplett simulieren kann. Auch am Set, wenn der Regisseur noch ein Close-Up dazu wünscht, dann nehm‘ ich einfach kurz das iPhone, fahr die Brennweiten an, die wir im Repertoire haben und sehe: „Okay, sollen wir eine 50er nehmen, das wird so aussehen, ne, noch ein bisschen dichter dran, nehmen wir eine 85er, und okay, alles klar.“ Das dauert eine Minute und ist viel schneller, als wenn der Assistent die Optik hätte wechseln müssen. Das hätte dann drei Minuten gedauert, und nochmal drei um das Ganze eventuell wieder zurückzubauen.

HK: Okay, die Einstellung ist gedreht. Ab wann kannst Du beurteilen, ob der Schuss gelungen ist?
Mathias Geck: Wenn es ein komplexes Bild ist, bei dem auf vielen Ebenen was passiert, die Schärfe und das Timing sehr kritisch sind, dann hat man nach dem Schuss eine Intuition, ob es gut oder schlecht war. Aber als Kameramann ist man so damit beschäftigt, das Kader sauber zuhalten, dass man die anderen Faktoren nochmal in einem Replay ansieht. Erst recht, wenn man auf einem Dolly herumgeschoben wird und dabei noch genau den Protagonisten treffen muss. Es können zehntausend kleine Faktoren mitspielen, die man eventuell auf einem kleinen Kamerasucher übersieht, gerade bei hellem Tageslicht. Da hilft nur ein wirklich, wirklich, wirklich gutes Display mit mindestens FullHD-Auflösung, im Dunklen oder mit Sonnenschutz.

„Die erste Klappe ist immer ein ganz heißer Punkt.“

HK: Welcher ist für Dich der heikelste Moment beim Drehen?
Mathias Geck: Der heikelste Moment?
HK: Ja, wann bist Du am angespanntesten?
Mathias Geck: Oh ja, das kann ich ziemlich klar definieren: Das ist immer die erste Klappe. Gerade, wenn das Team neu ist. Die erste Klappe ist immer ein ganz heißer Punkt, vor allem wenn neue Crew-Mitglieder zusammenkommen. Alle sind für eine gewisse Zeit miteinander verheiratet und bei der ersten Klappe trifft alles aufeinander. Dann sind alle besonders angespannt, schauen auf den Monitor und wollen einfach sehen, ob das, worin sie ihre Zeit und Energie investieren, wirklich die Sache wert ist. Also der Druck ist immens. Ich hatte so einen Fall, bei einem deutschen Genrefilmprojekt mit internationaler Größenordnung und Cast. Wir haben in Braunschweig gedreht, in der Mitte der Innenstadt. Das war bis dato eins meiner größten Sets. Wir hatten zwei komplette Straßenblöcke gesperrt, mit einem großen Set-  und Lichtaufbau für eine Sequenz aus dem Zweiten Weltkrieg. Direkt beim ersten Bild schritt ein unbemanntes Pferd durchs Bild, in dem hinten die Stadt brennt und Feuer zu sehen ist und auch Stuntmen mitspielen – da war der Druck ultimativ immens. Die ganze Crew hat geguckt, Schaulustige waren da, ein Team vom NDR drehte eine Doku über unsere Stuntmen – da muss man sich eben die Zeit nehmen und alles dreimal überprüfen, selbst wenn man vierzig Leuten ein paar Minuten mehr abverlangt.

HK: Der Film kommt nächstes Jahr in die Kinos?
Mathias Geck: Wenn alles klappt, ja. Das Ding ist Stück für Stück gedreht und gecrowdfundet, aber es hat tatsächlich schon beinahe weltweite Vertriebe für Kino und Home Entertainment . Der letzte Trailer hat jetzt mehr als 500.000 Hits auf Youtube, das läuft echt gut.

HK: Szene ist im Kasten. Regie ist zufrieden. Technisch alles wunderbar. Schnitt erledigt. Dann kommt die Arbeit des Graders oder Koloristen. Kann man darin kreativ sein, ohne das Drehbuch zu missachten?
Mathias Geck: Es gibt natürlich eine Grundausrichtung, abhängig von der Intention des Films. Eine kühle Stimmung passt eher zu einer melancholischen Szene. Eine Komödie braucht eher ein sattes Bild und die Rottöne stechen zum Beispiel heraus. Aber es gibt halt noch zig Variablen. Manchmal lösche ich Farben einfach raus und probiere einfach mal was ganz anderes. Im Optimalfall hat man die Farben der Wände, Requisiten und Kostüme am Set vorher schon konzeptioniert, dann sind die Hausaufgaben gemacht, die werden dann auch nicht mehr geändert, nur unterstützt.

HK: Was könnten Unternehmensfilme und Content Marketing Produktionen vom Spielfilm lernen?

Mathias Geck: Im Grunde genommen, wie man Emotionen vernünftig transportiert. Und zwar wirklich in technischer Perfektion. Man muss dahin kommen, dass die Gefühle, die man transportiert, authentisch wirken. Das Allerschlimmste ist, wenn ein Film gewollt-und-nicht-gekonnt erscheint. Das fängt aber auch schon beim Drehbuch an, das muss einfach das Beste aus dem Budget des Films machen. Wenn man mit den Ambitionen weit über das Budget hinausgeht, dann kann die Sache echt unangenehm und peinlich werden. Auf der anderen Seite kann man auch mit einem kleineren Budget – wenn man dafür wirklich ein gutes Buch schreibt, was bis zum Ende perfekt in diesem Budgetrahmen umsetzbar ist – ein großartiges Ergebnis erzeugen.

HK: Krankt der Unternehmensfilm vielleicht auch daran, dass nicht wirklich erzählt wird, sondern nur aneinandergereiht?
Mathias Geck: Es gibt meiner Meinung nach Geschichten, die sich perfekt dadurch erzählen lassen, dass man die Realität – so weit es geht – abbildet. Wenn also ein Event stattfindet, das tatsächlich ein Erfolg war, was fantastisch funktioniert hat und großartige Emotionen beinhaltet, dann muss man es „abbilden“ mit den besten technischen Mitteln, die einem zur Verfügung stehen. Aber wenn wirklich ein Gefühl für eine Marke, ein Unternehmen oder ein Produkt aufgebaut werden soll, dann beginnt die Arbeit bei einem Drehbuch. Man muss eine Geschichte entwickeln, die man auch authentisch abbilden kann und die zur Firma und ihrem Spirit passt. Dazu braucht man eine Recherche im Unternehmen. Wenn man den Spirit, diese Leidenschaft erkennt und erfährt, woraus sie sich speist, dann wird wirklich was Gutes draus.

 

Wenn Ihr mehr von Mathias sehen wollt, schaut seinen Webauftritt an:

www.mathiasgeck.de

Kameramann Mathias Geck

Mehr Filmjobs hinter der Kamera bei uns im Blog: VFX-Artist, Regisseur, Komponist

 

filmjobs hinter der kamera vfx

Filmjobs hinter der Kamera – VFX – Der Herr der Effekte

Nach ein paar Minuten Gespräch über VFX in unserer Redaktion sagt er:

„Deswegen packe ich manchmal meine Kamera ein, oder meine Drohne und denk mir dann irgendwie schöne Bilder aus.“

Und schöne Bilder braucht Heinrich Maas. Damit er tun kann, was er am besten kann: Er ist Compositing Artist und VFX Supervisor. Mit Heinrich kann man wunderbar zusammen arbeiten und – über seinen Job reden.

Gespräch mit einem VFX-Supervisor

Heinrich Maas, geboren in Kasachstan, ausgebildet in Berlin, lebt in Frankfurt und arbeitet für internationale Filmproduktionen ebenso wie für viele „Tatort“-Folgen. Das erwähnt er aber nur, wenn man ihn etwas drängt. Deswegen beginnt unser Gespräch mit einer Frage in diese Richtung, die er aber überraschend anders beantwortet: Was war denn Dein schönstes Projekt?

Heinrich Maas: Das Schönste für mich, also das, was am meisten Spaß macht, ist nicht unbedingt das, was am Ende dabei herauskommt. Viel wichtiger ist das Umfeld, sind die Arbeitsbedingungen und die Kollegen. „Cloud Atlas“ ist das Projekt, das mir bisher am meisten Spaß gemacht hat. Der Kunde war sehr anspruchsvoll, wollte hohe Qualität, auch in den Details. Das macht wirklich Spaß, wenn man so gefordert wird. Ich war von Beginn an dabei als Lead Compositing Artist. Wir haben insgesamt 50 Shots bekommen, die wir bearbeiten mussten. Mein Job war die Compositer anzuleiten und auch die 3D-Abteilung ein wenig zu führen.

Details, die man sieht, aber nicht entdeckt

Holger Koenig: 50 Shots klingt nach ’ner Menge Arbeit. Was waren das denn für Aufgaben?
Heinrich Maas: Das Interessante daran war die Bandbreite. Das fing an mit Maskenretusche. Wenn irgendetwas am Set nicht geklappt hat, haben wir das gefixt. Dazu kamen Matte Paintings, die wir hergestellt und eingebaut haben, plus 3D-animierte futuristische oder altertümliche Waffen, die wir eingebaut haben. Also es war sehr umfangreich, sehr abwechslungsreich. Deswegen auch das schönste Projekt bisher.

HK: Du sagst, Du warst von Beginn an dabei. Wie groß ist dann der Einfluss des Lead Compositing Artist auf den Film?
Heinrich Maas: Bei so einem Filmprojekt bespricht man, wie man die Szenen im Drehbuch lösen kann. Daraufhin werden ein Storyboard erstellt und ein Animatic und dann wird gefilmt. Die Filmsequenzen sind das Grundmaterial. Die Compositing Crew baut dann die Animationen ein, oder was auch immer gewünscht ist. Viele Dinge, die kleinen wichtigen Details, an denen wir arbeiten, entdeckt man gar nicht als Zuschauer im Kino, obwohl man sie sieht.
HK: Da gibt’s ’ne wunderbare Lösung. Wir schauen mal in Dein Showreel …

Die extrem Kreativen in der Filmproduktion

HK: Ein Drehbuch ist eben nur ein Drehbuch. Hast Du Spielräume, wenn die kreative Arbeit beginnt? Ist es möglich, dass Du eine futuristische Waffe zum Beispiel anders baust, als sie mal besprochen war?
Heinrich Maas: Das kommt sehr häufig vor. Das kommt sogar in den meisten Fällen vor, dass man den kreativen Prozess des Drehbuchautors oder des Regisseurs mit beeinflussen kann. Wir VFX-Artists sind ja auch die extrem Kreativen bei einem Film und man kann wirklich mitbestimmen. Bei großen Produktionen, wie von Warner Brothers oder Universal, da hat man nicht sehr viel Freiheit, aber bei kleineren, bei deutschen Produktionen, wie ARD-Produktionen oder so, da hat man wirklich sehr viel Freiheit. Auch wenn man schon über das Drehbuch hinaus ist und dann anfängt, an dem Material herumzubasteln und selber merkt, das macht so keinen Sinn oder das sieht anders vielleicht besser aus. Dann kann man das vorschlagen. In den meisten Fällen wird das sogar gut angenommen und so umgesetzt.

HK: Ist das für Dich ein wichtiger Aspekt des Berufes?
Heinrich Maas: Nein, nicht wirklich. Es ist ebenso eine Herausforderung, etwas exakt so umzusetzen, wie der Regisseur sich das vorstellt. In Projekten, an denen nichts zu rütteln ist und man genau nach Plan umsetzen muss, lernt man viel und kann das wiederum für die stärker kreativ orientierten Projekte nutzen. Aber, wie gesagt, die Mischung macht’s.

filmjobs hinter der kamera vfx

Heinrich Maas: So sieht der Arbeitsplatz eines VFX-Artists aus

Projekte, die Heinrich besonders Spaß gemacht haben

Cloud Atlas

HK: Du hast „Cloud Atlas“ erwähnt als ein Projekt, das Dir am meisten Spaß gemacht hat. Welches war denn das Schwierigste, eines, dass Dich wirklich an die Grenzen Deines Könnens gebracht hat?
Heinrich Maas: Schwierig sind wirklich die Projekte für die größeren Studios. Und da geht’s immer um die Feinheiten. 80% des Ziels erreicht man immer in 50% der Zeit, die man zur Verfügung hat. Und dann braucht man für die letzten 20% – für die Schleiferei sozusagen – nochmal 50% der Zeit. Es geht dann um solche Sachen, wie dass der Grain stimmen muss. Wirklich: man gibt etwas ab, das sieht perfekt aus, man guckt sich das auf der Leinwand 5x an, es sieht gut aus und dann kommt der VFX-Supervisor des Projektes und sagt: „Ne! Das geht nicht, da sind drei Grain-Punkte, die bewegen sich langsamer als die anderen!“ Das sind immer diese Kleinigkeiten, die mich an Grenzen bringen, also dann muss man nochmal ran: Grain selber basteln und genau anpassen an den gefilmten Grain. Ich glaube, es gab wenige Projekte, die mich nicht an irgendwelche Grenzen gebracht haben. Und wenn ein Projekt mich nicht an meine Grenzen bringt, dann war es nicht erfolgreich, dann war es zu einfach. Das spricht sich rum. Ich kriege Projekte aus Los Angeles, die sonst wirklich nichts mit Deutschland zu tun haben. Die werden nicht hier produziert und die Leute in der Produktion wissen teilweise nicht mal, wo Deutschland liegt. Aber sie kommen trotzdem zu mir und wollen mit mir arbeiten, weil die Qualität gut ist und der Preis besser als bei einem VFX-Studio in L.A.

Märchenfilme: Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen

HK: Wenn Du mal angeben müsstest, welches Projekt würdest Du da erwähnen als herausragend für Dich?
Heinrich Maas: Das ist schwierig, das gibt es nicht wirklich. Ich finde teilweise kleine Projekte wirklich herausragend. Sehr gerne habe ich an den Märchenfilmen für die ARD gearbeitet. Mit denen würde ich angeben, weil da am meisten Herzblut hineingeflossen ist. Ich glaube, ich habe schon zehn Stück mittlerweile gemacht: „Der Gestiefelte Kater“ war der erste Film aus der Reihe, an dem ich mitgewirkt habe, dann gab es „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ und „Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen“, es waren viele. Uns ist es geglückt, den Produzenten zu vermitteln, wie wichtig VFX ist, wie sehr VFX die Geschichte aufwerten kann und ich glaube, das ist so ein herausragender Punkt in meiner Arbeit, dass man einer ganzen Branche etwas vermitteln kann. Wie zum Beispiel bei „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“, da haben wir so einen Monstergeist gebaut in 3D und den animiert und mit ganz vielen leuchtenden Partikeln ausgestattet. Die Geschichte würde sonst nicht funktionieren, die könnte man nicht am Set lösen. Es gibt auch Szenen mit fliegenden Feuerbällen und Supereffekten, die man einfach am Set nicht umsetzen kann.

 Ohne VFX kommen viele Filme nicht mehr aus – ohne Film kommt Heinrich nicht mehr aus.

Heinrichs Traumprojekt

HK: Dein Traumprojekt. Was wolltest Du schon immer mal machen und dazu ist es bisher noch nicht gekommen?

Heinrich Maas: Muss es so etwas geben? Also es gibt viele Kollegen von mir, die sagen: ich wollte schon immer mal an einem Marvel-Film mitarbeiten. Die großen Projekte sind eigentlich super spannend und ich gucke mir die auch sehr gerne an. Aber: Ich sehe da nur Effekte, ich sehe da gar keine Geschichte mehr. Das ist die Arbeit eines großen Teams, damit werden die Aufgaben aber auch immer spezieller. Als Artist dazusitzen und ein halbes Jahr lang nur die Hand eines Charakters für den kompletten Film zu bearbeiten, da hätte ich auch keine Lust drauf. Deswegen ein Traumprojekt gibt es nicht, ich arbeite wirklich lieber an kleineren Projekten.

HK: Gibt es den Moment am Ende des Tages, in dem Du sagst: So, jetzt ist genug, jetzt muss ich mich aus der virtuellen Welt wieder in die reale begeben?
Heinrich Maas: Nein, leider ist es so, dass ich tatsächlich nach getaner Arbeit weitermache, weil ich immer mehr dazu lernen möchte. Aktuell habe ich angefangen, Virtual Reality zu machen. Deswegen packe ich manchmal meine Kamera ein, oder meine Drohne und denk mir dann irgendwelche schönen Bilder aus. Hier bei uns auf dem Dorf gibt es den Naturschutzbund, da filme ich oft und mache daraus einen schönen Film für irgendwelche Wettbewerbe. Das ist für mich der Ausgleich zur Arbeit: einen eigenen Film zu produzieren.

filmjobs hinter der kamera vfx

Heinrich Maas

 

Mehr Filmjobs hinter der Kamera bei uns im Blog: Regisseur, Komponist, Kameramann

Unsere Praktikantin Johanna am Filmset

Abenteuer Filmset – Das erste Mal beim Filmdreh!

Unsere Praktikantin Johanna Thomé ist zum ersten Mal auf einem Filmset dabei und wird direkt ins kalte Wasser geschmissen. Sie berichtet hier von ihren Erfahrungen.

Die ersten Momente am Filmset sind wie eine unscharfe Kameraeinstellung. Personen wischen durch das Bild, alle stehen sich im Weg und es stellt sich partout kein Fokus ein. Bis dann der Moment kommt, in dem alles wie am Schnürchen läuft. Und all das wird dirigiert von einem Mann, bei dem alle Fäden zusammenlaufen – wie Paris oder Rom, wo alle Wege hinführen.

Holger führt Regie

 

Opfer müssen sein

Wir sind beim Niedersächsischen Studieninstitut NSI Hannover und drehen einen Film zum Thema Brandschutz. Es  ist mein erstes Mal an einem Filmset. Ich reise mit als Setrunnerin und Regieassistentin. Damit stehe ich ganz unten in der Nahrungskette und meine Aufgabe ist es, den kreativen Filmemachern den Rücken freizuhalten – komme, was wolle. Auch wenn ich dafür eine Stunde lang mit nur einem Schuh herumlaufe oder ein Feuerwehrauto zum Halten bringen muss.

Weil ich zwei Rollen gleichzeitig erfülle, muss ich den Ausdruck „sich für den Job zweiteilen“ wörtlich nehmen: In einer Sekunde halte ich den Monitor für den Regisseur und blocke den Verkehr, in der nächsten Sekunde muss ich Getränke für das Team holen und Komparsen für die folgende Szene vorbereiten. Jetzt muss ich auch noch den Komparsen erklären, wie man möglichst natürlich in einer Gruppe steht und wartet. Dabei bin ich laut meiner Familie die schlechteste Schauspielerin der Welt.

Unsere Praktikantin Johanna mit nur einem Schuh unterwegs auf dem Filmset von NSI

Besser als die Profis

Unser Problem heute: Die Komparsen stehen uns nur bis 14 Uhr zur Verfügung und erhalten außerdem zwischendurch ihre Prüfungsergebnisse. Die Komparsen sind eine unerfahrene Schülergruppe, aber zum allgemeinen Erstaunen streichen wir einen One-Taker nach dem anderen ein: in ihrer gespielten Panik rennen sie Stühle um und sich gegenseitig über den Haufen, beklagen sich nicht einmal über Stürze. Sie prallen alle wie fensterblinde Schwalben gegen die geschlossene Brandschutztür und schreien wie am Spieß, als sie den künstlichen Qualm entdecken. Sie sind besser als jeder Profi. Der blonde Jochen wird der Einfachheit halber Buddy genannt, weil er einfühlsam den Rollstuhlfahrer im Chaos beschützt. Denn Chaos brauchen wir für den Film. Und Tim wirk plötzlich ganz natürlich, als ihm die Rolle zugeteilt wird, einen im Smartphone vertieften Schüler zu spielen.

Komparssen betrachten am Filmset ihre Arbeit

Problem? – Gelöst!

Die Einstellung: eine 180° Kamerafahrt um einen der Schüler herum, kurzfristig entschieden, keine Zeit dafür Schienen für den Dolly aufzubauen. Uns bleibt nichts Anderes übrig, als uns einen Rollstuhl auszuleihen. Wir platzieren darauf den Kameramann mit Kamera und die Einstellung gelingt tatsächlich. Wir haben nur eine halbe Stunde Zeit für die Einstellung, unser Regisseur Holger Koenig bereitet parallel die Schüler auf die nächste Szene vor: „Ihr seid richtig gut, was One-Taker betrifft; jetzt nochmal einen und dann haben wir es.“ Das ist doch Motivation pur. Dann ist Drehschluss für die Schüler und alle klatschen. Top Leistung.

 

Schwitzen – auch ohne Feuer

Die Feuerwehr Hannover trifft am Filmset ein: sie fährt mit Leiterwagen und Löschzug vor, beeindruckend ist die Drehleiter. Die Männer sind gekleidet in dicker Feuerwehrmanngarnitur. Im Nachhinein bin ich überrascht, dass keiner von ihnen einen Hitzeschlag erlitten hat, obwohl ich den ganzen Nachmittag ihre von Schweiß geperlten Stirnen im Auge behalte. Wir drehen die Szene, in der die Feuerwehr in die Straße einfährt und punktgenau, wie für die Einstellung abgesprochen, vor dem Gebäude hält. Zusammen mit Martinshorn und dem Feueralarm des Gebäudes klingt es, als stünde der Weltuntergang bevor. Die Feuerwehrmänner halten tapfer den ganzen Nachmittag durch, während wir sie bitten, unterschiedliche Aktionen zu wiederholen und zu wiederholen und zu wiederholen, damit wir noch mehr Aufnahmen aus unterschiedlichen Winkeln machen können.

Freiwillige Feuerwehr Hannover am Filmset für den Brandschutzfilm der NSI

Um Punkt 17:59 Uhr sind wir fertig. Wie vom Kunden gewünscht. Und dann gewinnen wir auch noch das Spiel gegen Nordirland.

Ein perfekter, wenn auch intensiver Tag.

 

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Moderne HR brauch Technik

Moderne HR-Kommunikation – Mit Werkzeugen und Know-How zum Erfolg

Teil 3 unserer Serie „Was ist Employer Branding? Und wenn ja, wie viele?“

Bevor wir in den nächsten drei Folgen der Blog-Serie „Employer Branding“ zeigen, wie Sie Mitarbeiter halten und zu Markenbotschaftern machen, stellen wir Werkzeuge vor, die für jede moderne HR -Abteilung wertvoll sind.
Wie wichtig und komplex Employer Branding ist, zeigt die Anzahl der teilweise sehr spezialisierten Software-Pakete, die dem Unternehmer oder HR-Manager die Arbeit erleichtern sollen. Wir stellen exemplarisch drei Tools vor die Zeit und Geld sparen. Diese Anwendungen stehen dabei stellvertretend für hunderte mit ähnlichen Funktionen.
LaunchPad und DynamicSignal sind Anwendungsprogramme, spezialisiert auf HR. Scompler ist eine Content-Marketing-Suite, mit der man auch das Employer Branding strategisch planen und durchführen kann. Abschließend stellen wir mit Oculus Rift und Augmented Reality zwei zukunftsweisende Technologien vor, die schon Anwendung im Recruiting finden und unserer Meinung einen festen Platz in der modernen HR haben werden.

 

Software für moderne HR-Kommunikation

 

Mit Mitarbeitern mit arbeiten

Eine der wichtigsten Ressourcen für Ihr Employer Branding ist die Kommunikation Ihrer Mitarbeiter (mehr dazu in Teil 6 der Blog-Serie). Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass Informationen geteilt werden, die das Unternehmen schlecht aussehen lassen, oder die Konkurrenz aufwertet. Software Dynamic Signals will diese Effekte verhindern.
Dynamic Signals bietet eine in Ihr Unternehmen integrierte Informationsplattform, die jeder Mitarbeiter mit seinen Social-Media-Kanälen verbinden kann. Die Plattform ermöglicht es sowohl dem Marketing als auch der HR gezielt Informationen an alle Mitarbeiter  zu verteilen. Die Kontrolle über die Informationen liegt bei den einzelnen Abteilungen. Dadurch vermeiden Sie einerseits PR-Desaster, andererseits können Mitarbeiter sicher sein, die richtigen Informationen über das Unternehmen zu teilen. Sorgfältig ausgewählter Content verhindert, dass Mitarbeiter versehentlich Markenbotschafter der Konkurrenz werden. Die integrierten Analyse-Tools ermöglichen es zu messen, welche Beiträge und welche Mitarbeiter besonders zu Ihrem Kommunikationserfolg beitragen, auf allen Kanälen. Integrierte Gamification-Elemente helfen dabei, Ihre Mitarbeiter zu motivieren sich mit den Inhalten Ihres Unternehmens zu beschäftigen, und diese Inhalte auf ihren privaten Social-Media-Kanälen zu teilen.

 

Mit Video mehr sehen

LaunchPad ist eine Recruitment Tool, dass sich auf Video Interviews spezialisiert hat. Ziel: Kandidaten kennen zu lernen und die Ernsthaftigkeit der Bewerbung zu überprüfen, bevor Kosten entstehen. Dazu stehen verschiedene Module zur Verfügung: Voraufgezeichnete Videobotschaften des Unternehmens, die von den Kandidaten angesehen und per WebCam-Interface beantwortet werden, oder LiveVideo-Formate. Beide Video-Formate werden in der App von LauchPad aufgezeichnet und archiviert. Im Anschluss können alle Entscheidungsträger im Unternehmen auf die Videointerviews zugreifen. Vorbereitete Videointerviews haben zwei Vorteile: 1. Einer großen Anzahl von Kandidaten können die gleichen Fragen gestellt werden. 2. In der Analyse können Antworten und Lebenslauf abgeglichen werden (Es ist zum Beispiel ein großer Unterschied ob jemand schreibt, er beherrsche verhandlungssicheres Englisch oder ob man diese Fähigkeit schon im Videoverfahren testet). Wie viele andere Programme, die Employer Branding vereinfachen wollen, begleitet auch LaunchPad die moderne HR -Kommunikation, wenn die Entscheidung für einen neuen Mitarbeiter schon gefallen ist.
Vorproduzierte Videos heißen die neuen Mitarbeiter im Unternehmen willkommen. Über das System kann die Schulung der Mitarbeiter durchgeführt werden oder verwaltet. Sogar an die letzte Station eines Mitarbeiters wurde gedacht: Ein persönliches Abschiedsvideo der Geschäftsleitung oder der Kollegen verstärkt die gute Erinnerung an das Unternehmen. Der ehemalige Mitarbeiter wird idealerweise zum Markenbotschafter und zum potentiellen Kunden.

Strategisches Content Marketing

Scompler ist eine App, die strategisches Content Marketing vereinfacht. Botschaften, Ziele, Ressourcen, Zielgruppe und KPIs werden zu Beginn eines Projektes festgelegt. Während der Erstellung von Inhalten erleichtert die App dem Team, sich immer wieder auf diese Standardparameter zu beziehen und die produzierten Texte, Bilder und Videos mit definierten Zielen abzugleichen.
Scompler lässt sich leicht dem eigenen strategischen und taktischen Bedarf anpassen, auch eine Definition strategischer Kommunikationsziele ist vorgesehen. Diese sehr prozessorientierte Herangehensweise hat viele Vorteile: Über das System kann jeder Mitarbeiter im Kreationsprozess von Inhalten einen Rückbezug auf die definieren Parameter herstellen. Die Teamfähigkeit der App stellt sicher, dass alle am Employer Branding und am Recruiting beteiligten Abteilungen in den Prozess eingebunden sind. Viele Unternehmensteile können sich am Employer Branding beteiligen, weil es eine einheitliche Sprache und ein immer präsentes Ziel gibt.

 

Technologie für moderne HR-Kommunikation

 

Augmented Reality

Einen sehr innovativen Weg im Recruiting ging die ASB Bank in Neuseeland.
Die Bank entwickelte 2014 eine Augmented Reality App. Dadurch erwacht die Print-Anzeige in Fachmagazinen zum Leben. In einem 3D-Video erzählt der Kommunikations-Manager über das Unternehmen und seine Vision. ASB in Neuseeland möchte mit Technologie und den passenden Mitarbeitern Ansprechpartner für Großunternehmen werden. Dazu passt diese Herangehensweise. Die Bank präsentiert sich technikaffin und sucht auf diese Weise passende Mitarbeiter. Sie verbindet damit geschickt die im Banken-Sektor noch immer verbreitete Print-Werbung in Fachzeitschriften und eine innovative Technologie. Neben dem visuellen Gag des aus der Zeitungsseite herausspringenden 3D-Videos, bietet die App viele Tipps zur Gestaltung von Anschreiben und Lebensläufen, und vor allem die Möglichkeit, sich direkt für offenen Stellen registrieren zu lassen.

 

 

Oculus Rift

Einen ähnlich innovativen Weg ging das australische Minen-Unternehmen Barminco. Ziel war hier jedoch nicht nur Recruiting, sondern auch Retention, also Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden.
Problem für Barminco: Arbeitsplätze in Minen sind befinden sich an abgelegenen Orten und sind für Laien ein gefährlicher Arbeitsplatz. Besuche der Bewerber waren deshalb ausgeschlossen, neue Arbeitnehmer lernten die ungewohnte Arbeitsumgebung erst „on the Job“ kennen. Ergebnis: Rund ein Drittel der Minenneulinge gaben nach spätestens 3 Monaten auf. Konstant mussten deshalb neue Mitarbeiter gefunden werden.

Moderne HR bei Barminco mit VR und Oculus

Screenshot der VR-Simulation einer Barminco Mine in Oculus Rift. Quelle: Immersive Technologies & Barminco

In 2015 begann das Unternehmen mit der Virtual Reality- Brille Oculus Rift eine Simulation der Mine für Bewerber erlebbar zu machen. Der 5-minütige realistische Besuch der Mine wird mit Informationen angereichert und vermittelt potentiellen Mitarbeitern einen Einblick in die neue Arbeitsumgebung. Durch das virtuelle Erleben können sich Kandidaten ein realistisches Bild davon machen, ob sie mit den dunklen, engen Räumen klar kommen. Das Unternehmen kann Kandidaten aufgrund der Reaktion auf die Arbeitsverhältnisse auswählen. Ein eindrucksvolles Beispiel, wie moderne HR -Kommunikation von richtig ausgewählter und eingesetzter Technik unterstützt werden kann.

 

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"Was ist Employer Branding und wenn ja wie viele."

Die Themen unserer Reihe „Was ist Employer Branding und wenn ja wie viele.“

  1. Was ist Employer Branding – und wie Sie Video dafür nutzen
  1. Recruiting –  Der Arbeitnehmer als begehrter Kunde
  1. Moderne HR – mit Werkzeugen und Know-How zum Erfolg
  1. Retention – Wie Sie Ihre Mitarbeiter langfristig binden: Interne Kommunikation
  1. Onboarding – Der schnellste Weg Ihre Mitarbeiter effektiv einzusetzen
  1. Employee Advocacy – So werden Ihre Mitarbeiter Markenbotschafter

Foto: Ausschnitt aus unserem Recruiting-Video für die Deutsche Bahn AG

 

Recruiting Blog-Serie

Recruiting – Der Arbeitnehmer als begehrter Kunde

Teil 2 unserer Serie „Was ist Employer Branding? Und wenn ja, wie viele?“


Auch wenn im folgenden Text die im Deutschen weiterhin am gängigsten verwendete männliche Form genutzt wird, richten wir uns an alle Menschen unabhängig ihrer geschlechtlichen Identität. Zur flüssigeren Lesbarkeit wird trotzdem auf den Einsatz des „Binnen I“ verzichtet.

 

Weshalb Recruiting

Großartige Mitarbeiter sind inzwischen genau so schwer zu bekommen, wie ein guter Geschäftsführer. Die Nachfrage übersteigt das Angebot. Besonders bei hochspezialisierten Fachkräften. Im Mittelstand und bei kleinen Unternehmen ist diese Entwicklung am gravierendsten. Sie konkurrieren mit Konzernen um die besten Mitarbeiter und können in mancher Hinsicht nicht mithalten.
Und es wird schlimmer! Noch sind sich viele Arbeitnehmer nicht bewusst, welche Macht sie haben. Und noch ist eine Generation in der Mehrheit, die Jobsicherheit und lange Betriebszugehörigkeit schätzt. Millenials sind jedoch im Kommen. Und die wissen um ihren Wert.
Deshalb ist die Schärfung der eigenen Arbeitgebermarke wichtig. Mit einer langfristigen Recruiting -Strategie entdecken Sie frühzeitig Talente und binden sie an Ihr Unternehmen.
In der digitalen Welt kann das jedem Unternehmer gelingen, ohne teure Headhunter oder Jobagenturen.

 

Wie erreichen Sie Arbeitnehmer?

Ihr künftiger Arbeitnehmer ist ein Kunde. Wie jeden anderen Kunden, führen Sie ihn durch die Customer Journey. Die Erfahrung, die ein Kandidat dabei macht – vom ersten Kontakt an – beeinflusst seine Wahl erheblich. Die Entscheidung für einen neuen Job verändert das Leben. Derartige Entscheidungen trifft ein Mensch nicht oft und vor allem: nicht nur rational. Umso wichtiger ist es, Kandidaten auch emotional anzusprechen. Auf allen Ebenen.

Jobsuche im Sommer 2014
66,4% in Internetbörsen
37,9% auf Unternehmenswebseite
36,5% bei Karrierenetzwerke wie LinkedIn und Xing
27,5% auf Nischen-Internet-Stellenbörsen
24,7% auf Empfehlung eines Bekannten

Quelle: Statista

 

Grundvoraussetzung

Wenn Sie gute Kandidaten wollen, müssen Sie kontinuierlich und pausenlos suchen. Nur so erreichen Sie hochqualifizierte Kandidaten genau zu dem Zeitpunkt, an dem sie bereit sind zu wechseln. Dabei ist Ihre Webseite das Aushängeschild. Sie sollte zeitgemäss aussehen, neugierig machen und übersichtlich und intuitiv bedienbar sein.

Seien Sie persönlich. Stellen Sie Ihr Recruiting-Team vor, also diejenigen Personen, mit denen ein Kandidat den ersten Kontakt hat. Und führt der Chef selbst das Interview durch, dann muss das auch gesagt werden. Je transparenter der Prozess, desto größer das Vertrauen des Kandidaten in die Kommunikation des Unternehmens.

 

Die Bewerber-Reise

Aufmerksamkeit

Ihr Wunschkandidat muss von Ihrem Unternehmen erfahren. Ist banal, hat sich aber noch nicht bei allen Unternehmen durchgesetzt (s.u.). Nach einem Erstkontakt kann sich ein Kandidat überhaupt mit dem Gedanken beschäftigen, ob das Unternehmen und er zueinander passen. In dieser Phase der Employee Journey spielen Soziale Medien die wichtigste Rolle: Twitter, Facebook, LinkedIn oder Xing sind Plattformen, über die Kandidaten vermutlich sogar schon Kontakt mit Ihrem Unternehmen hatten. Hoffentlich (s.o.). Für die Karrierenetzwerke LinkedIn und Xing gilt: Suchen Sie aktiv nach bestimmten Kandidaten-Profilen. Das wird erwartet…

45% der Stellensuchenden und Karriereinteressierten wünschen sich von ihrem zukünftigen Arbeitgeber angesprochen zu werden.
42% sagen, dass ihr Wunscharbeitgeber nicht auf LinkedIn, Xing etc. aktiv nach Arbeitgebern sucht.
Quelle: Statista

Die Botschaft: Kandidaten, die sich mit ihrem Unternehmen auseinandersetzen gibt es schon, sie möchten nur angesprochen werden. Selbst wenn Sie also schon als gute Arbeitgebermarke gelten: werden Sie aktiv. Verbinden Sie sich mit Ihren Wunschkandidaten und planen Sie strategisch und langfristig. Kontakte die sie jetzt knüpfen, können in 5 Jahren Gold wert sein.

Recruiting ist nicht mehr ein Solo-Projekt der HR-Abteilung, sondern auch Teil der Marketing Strategie. Die ersten Kontakte mit Ihrer Employer Brand sollten einen guten Eindruck hinterlassen, „´cause you never have a second chance …“. Zeigen Sie Ihr Team, Ihre Kompetenz und den Arbeitsalltag. Diese Informationen sind nicht nur für den Produkt-Kunden wichtig (Content Marketing!), sondern auch für den Bewerber-Kunden. Bauen Sie regelmäßig Beiträge in Ihren Social-Media Content-Plan ein, die gezielt auf Recruiting und Employer Branding einzahlen.

Eine Stellenanzeige soll von den genau passenden Kandidaten gefunden werden. Das ist klassische SEO! Benutzen Sie Begriffe, nach denen potentielle Kandidaten suchen könnten. Taggen Sie den freien Job so, dass relevante Berufsfelder abgedeckt sind. Kleiner Tipp: Ansehen, wie Branchenführer Jobs bezeichnen. Diese Anzeigen werden mit Sicherheit zuerst gefunden und dienen den Suchenden anschließend als Vorlage für die Verwendung von Suchbegriffen.

Egal ob Ihre Stellenanzeige über Google, Jobsuchmaschinen, Karrierenetzwerke oder Jobbörsen gefunden wird, die Kandidaten sollen letztlich im Owned-Media-Kosmos Ihres Unternehmens landen. Erstellen Sie dafür eine Landing Page. Wie das geht, ist hier hervorragend erklärt. Auf der Landingpage finden Interessenten alle relevanten Informationen, Bilder und Videos, die den Unterschied machen. Ein Call-To-Action erleichtert die Wahl, sich bei Ihnen zu bewerben.

 

Abwägung

Ein Wunschkandidat hat Ihre Stellenanzeige gefunden und ist interessiert. Was nun?

Machen Sie den Bewerbungsprozess so einfach wie möglich. Und persönlich. Viele kleine Maßnahmen helfen dabei:

  • Machen Sie von Anfang an klar, mit welchem Unternehmensvertreter der Kandidat kommuniziert
  • Stellen Sie dafür möglichst viele Kanäle bereit, auch mobil
  • Entweder Online-Formular oder Schreiben des Kandidaten – nicht beides
  • Erläutern Sie genau den Auswahlprozess und verfahren Sie danach
  • Halten Sie sich an eine klar kommunizierte Timeline
  • Seien Sie erreichbar, auch über Sozialen Medien
  • Beantworten Sie alle Fragen schnell und präzise
  • Nutzen Sie technische Hilfsmittel wie Videointerviews. Das spart Zeit – für alle
  • Stellen Sie klar, wer beim Interview anwesend ist und wie es abläuft: In Stresssituation mag niemand Überraschungen
  • Bieten Sie die Übernahme von Reisekosten an
  • Geben Sie Feedback zu jedem Meilenstein: Bewerbung erhalten, Interview vereinbart, Interview durchgeführt
  • Stellen Sie schwierige Fragen – Ihre Bewerber werden später zufriedener mit ihrem Job sein.
Recruiting - Interview Fragen nicht zu leicht machen

In einer groß angelegten Studie hat glassdoor analysiert, wie die Schwierigkeit des Jobinterviews und spätere Jobzufriedenheit zusammen hängen. Bewerber die ihr Jobinterview als schwer eingeschätzt haben, waren später mit ihrem Job am ufriedensten. Source: Glassdoor Economic Research (glassdoor.com/research)

 

Aktion

Das Interview ist vorbei, der Kandidat ist der Wunschkandidat. Aber er zweifelt und hat noch andere Angebote. Was dann?

Bleiben Sie am Ball. Haken Sie nach. Vernetzen Sie sich in verschiedenen Sozialen Medien. Bedanken Sie sich für das gute Interview. Fragen Sie offen nach den Gründen für das Zögern. Zeigen Sie sich bereit, den Übergang in den neuen Job so einfach und unkompliziert wie möglich zu machen. Machen Sie deshalb den Kandidaten mit ihrem Onboardingprozess vertraut. So zeigen Sie, dass Sie wirklich interessiert sind und dass Sie sich um Sorgen und Nöte kümmern. Spätestens jetzt sollten Sie ihn davon überzeugt haben, dass Sie zueinander passen.

 

Wie wird nach Jobs gesucht?

Eine Antwort: Mobil!
Laut einer Studie von Glasdoor nutzen 90% aller Bewerber mobile Geräte zur Jobsuche.
45% benutzen sie sogar täglich, 44% wollen sich über mobile Geräte bewerben.
Nutzen sie deshalb nur Jobportale, die mobil optimiert sind und stellen Sie sicher, dass das auch für Ihre Webseite gilt.

Überlegen Sie, ob es sinnvoll ist, Bewerbungen auf rein mobile Kommunikationsmittel auszurichten. Instagram und Snapchat sind gute Werkzeuge sich bekannt zu machen, besonders bei jungen Zielgruppen. WhatsApp eignet sich in diesem Personenkreis für Fragen, Terminabsprachen und das Versenden von Dokumenten, inlusive Lebensläufe und Anschreiben.

Wie wichtig ist Mobile im Recruiting und Bewerbungsprozess

Glassdoor Survey:State of mobile for job search/

 

Video im Recruiting

Schauen Sie sich diesen Film an:

 

Ein mitreißender Film mit toller Musik, schönen Bildern und einer eindeutigen Botschaft: „What’s the color of your heart?“ – „Welche Farbe hat Dein Herz?“
Passend zur Marke Brillux, die ein Marktführer im Bereich Wandfarben ist.

Warum funktioniert das Video? Weil es Emotionen anspielt. Wie im ersten Teil der Blogserie beschrieben, sind für Arbeitnehmer neben Gehalt und Aufstiegschancen vor allem weiche Faktoren wichtig – keine Fakten, sondern Sympathie gegenüber Kollegen, Chefs und dem gesamten Unternehmen.

 

Verschiedene Videos im Bewerbungsprozess:

Die Grundlage: Employer Branding Video

Der Klassiker: Das Recruiting Video für ein definiertes Aufgabengebiet

Das Fortschrittliche: Identische Fragen an alle Kandidaten per Video, dennoch persönlich

Das Direkte: Live-Interview auf Skype oder einer anderen Plattform

Der Nachtrag: Dankesvideo im Anschluss, oft auch per WhatsApp verschickt

 

Produzieren Sie keine eierlegende Wollmilchsau

Ein Video, „das alles abdeckt“, löst keine Probleme, es erschafft welche. Sie verkaufen eine Position im Unternehmen. Der Bewerber ist Ihr Kunde. Begegnen Sie ihm auf emotionaler Ebene und nutzen Sie diesen Moment, um den USP des Unternehmens oder der Position zu vermitteln. Das reicht nicht nur, das ist ein anspruchsvolles Ziel! Und: es kann erfolgreich erreicht werden.

Wir haben für die Deutsche Bahn drei Recruiting -Filme für den selben Job produziert. So erhalten Bewerber in jedem Video Informationen zu je einem Aspekt der Position: Karriere, Weiterbildung, Lebensqualität. Die Protagonisten, ihre Statements, die Anmutung der Bilder und die Kameraarbeit sind je Film auf einen dieser Aspekte abgestimmt. Die Videos waren erfolgreich, die Position schnell besetzt. Reaktion der eingeladenen Kandidaten, als sie ihre neuen Kollegen kennen lernten: „Ich kenne Sie aus dem Video. Sie sind ja genauso, wie ich Sie erlebt habe!?“

 

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Die Themen unserer Reihe „Was ist Employer Branding und wenn ja wie viele.“

  1. Was ist Employer Branding – und wie Sie Video dafür nutzen
  1. Recruiting –  Der Arbeitnehmer als begehrter Kunde
  1. Moderne HR – mit Werkzeugen und Know-How zum Erfolg
  1. Retention – Wie Sie Ihre Mitarbeiter langfristig binden: Interne Kommunikation
  1. Onboarding – Der schnellste Weg Ihre Mitarbeiter effektiv einzusetzen
  1. Employee Advocacy – So werden Ihre Mitarbeiter Markenbotschafter

 

Foto: Ausschnitt aus unserem Recruiting-Video für die Deutsche Bahn AG

Das Produktionsbudget kann auf die Socialen Median einzahlen.

10 Tipps, wie Sie Ihr Produktionsbudget voll ausnutzen

Film ist toll. Aber seien wir mal ehrlich: Es ist auf den ersten Blick nicht gerade die billigste Art mit Kunden zu kommunizieren. Manchem bleibt beim Anblick des Produktionsbudgets schon mal die Luft weg. Wir zeigen Ihnen wie sie mit dem gleichen Zeitaufwand und dem selben Produktionsbudget mehr aus ihrem Drehtag herausholen – besonders für ihren Social Media Auftritt.

 

1. B-Roll für spätere Produktionen

B-Roll ist Material, dass Sie ohne Mehraufwand zusätzlich zum tatsächlich benötigten Filmmaterial produzieren. Stellen Sie Ihrem Interviewpartner ein paar Fragen mehr, da Sie ihn sowieso schon vor der Kamera haben. Oder lassen Sie Ihren Chef in zwei verschiedenen Outfits den Flur hinuntergehen. Ihre Produktionsfirma kann Ihnen Möglichkeiten aufzeigen, Ihr Film-Set und die Anwesenheit ihrer Protagonisten effizient zu nutzen. Aber Achtung: Diese Rechnung geht nur auf, wenn die zusätzlichen Szenen null Mehraufwand bedeuten.

2. Fotos des Films für andere Medien

Oft nutzen unsere Kunden einzelne Fotos aus einem Film für Print oder ihre Website. Diese Fotos nennt man Stills. Sie aus Videomaterial zu erstellen führt zu sehr unbefriedigenden Ergebnissen, da Kamera und Bildinhalt immer in Bewegung sind. Das führt zu Bewegungsunschärfe. Meistens ist auch die Bildauflösung des Videos zu niedrig. Für kleines Geld können Sie eine gute Fotokamera ans Set bringen und Stills produzieren lassen. Bitten Sie den Kameramann Fotos der interessantesten Szenen zu machen. Er kennt den Bildausschnitt der Videokamera und versteht etwas von Bildern – auch unbewegten.

3. Exklusive Stockfotos

Haben Sie Ihren Darsteller oder Ihr Produkt perfekt für den Film in Szene gesetzt? Dann machen Sie auch gleich ein paar neutrale Fotos davon. Ihre Social Media oder die nächste spontane Grafik-Aktion werden es Ihnen danken. Nebenbei legen Sie sich einen Fundus exklusiver Fotos aus der Bildwelt Ihres Unternehmens an.

4. Videovarianten machen Ihren Film flexibel

Drehen Sie verschiedene Varianten Ihres Produkts. Zum Beispiel Versionen der selben Einstellung mit und ohne Logo, geöffnet, geschlossen, in der Hand Ihres Darstellers, und frei auf einem Tisch. So lassen sich Videoclips in zukünftige oder ältere Filme homogen einfügen. Außerdem können unterschiedliche Varianten Ihres Videos erstellt werden.

5. Der Blick hinter die Kulissen

Wenn Sie schon den Flur der Chefetage für einen ganzen Vormittag blockieren, dann lassen Sie Ihre Kollegen doch daran teilhaben. Fotografieren Sie die Filmcrew bei der Arbeit. Solche Set-Fotos bieten einen lockeren Blick hinter die Kulissen und liefern gleichzeitig eine schöne Geschichte für Ihre Social Media Kanäle. Sie gehen schließlich nicht jeden Tag unter die Filmproduzenten.

Mit geringem Mehraufwand kann das Team bei der Arbeit gezeigt werden. So verlängern Sie Ihr Produktionsbudget

Unser Team bei der Arbeit. Regie, Kamera und Licht richten die Szene für den Film Hoppe Sertos ein.

6. Interviews mit der Filmcrew

Für viele unserer Kunden ist eine Produktion immer noch eine besondere Sache. Wenn Sie Ihrer Community davon berichten wollen, interviewen Sie den Regisseur, Produzenten oder Kameramann. Sprechen Sie über Ihre gemeinsame kreative Arbeit und die Highlights der Produktion. Tipp: Smartphone bereithalten.

7. Keine Zeit verschwenden

Wer am Set seinen Film umplant – und das kommt vor – verschwendet wertvolle Zeit. Ihre Produktionsfirma wird vor Beginn der Dreharbeiten einen Drehplan und eine Shotlist erstellen, die alle wichtigen Einstellungen Ihres Films enthält. Storyboards oder Beispiele aus anderen Videos können bei der Abstimmung helfen. Bleiben Sie am Set bei Ihrer Entscheidung für das Storyboard und vertrauen Sie Ihrer Produktionsfirma. Man kann eine Szene auch „tot drehen“.

8. Kommunikation

Bereiten Sie alle Betroffenen rechtzeitig auf die Dreharbeiten vor. Wissen alle Mitarbeiter, dass Sie einen Film drehen wollen? Auch die Reinigungskraft mit dem lärmenden Staubsauger? Haben Sie den Schlüssel zum Drehort und wissen Sie, wo der Sicherungskasten ist? Störungen kosten Zeit und die Möglichkeit mehr „in den Kasten“ zu bekommen.

9. Content Marketing Strategie im Auge behalten

Ihr Video erfüllt eine Funktion innerhalb Ihrer Content Marketing Maßnahmen. Wo werden Sie es zeigen? Wer soll und wird es sehen, und welche Mitarbeiter nutzen es? Erstellen Sie eine Liste der Maßnahmen mit denen Sie Ihren neuen Video-Content promoten wollen. Ihre Produktionsfirma kann die Tipps 1-7 für Sie in den Drehtag einplanen.

10. Nutzen Sie Ihren ganzen Drehtag

In der Regel werden Produktionsteams nach Drehtag bezahlt. Besprechen Sie mit Ihrer Produktionsfirma, für wie viele Stunden das Team zur Verfügung steht. Wenn Sie Ihre Dreharbeiten nicht den ganzen Tag benötigen, planen Sie zusätzlich die hier beschriebenen Aktionen ein.

 

Mit diesen 10 Tipps nutzen Sie Ihr Produktionsbudget optimal aus. Gründlich voraus geplant und sorgfältig vorbereitet, liefert Ihnen Ihr Drehtag Material für weitere Videos, Geschichten und Bilder für Ihr Content Marketing.
Fragen zu Produktionsbudget, Produktionsplanung und Mehrfachverwertung von Filmen beantworten wir gerne.
Kommentieren Sie oder rufen Sie an.

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Content Marketing - Wem das Schaf den Weg weist

Content Marketing – Wem das Schaf den Weg weist

Was Content Marketing 2016 von seinen Agenturen fordert

Paradox: Der Beginn der Umwälzungen im Content Marketing liegt im Jahr des Schafes. Im Jahr der Ruhe, der Harmonie und Kreativität – glauben jedenfalls die Chinesen und dauert noch bis zum 7. Februar. Vielleicht stimmt das Ja(hr), denn: Kein radikaler Wandel im Content Marketing ohne die innere Beteiligung der Agenturen und Dienstleister, Mitarbeiter, Führungskräfte und Agenturchefs. Geheult wird schließlich genug: „Uihuihuih, was kommt da auf uns zu!“ Besser gewusst haben es schon viele: „Das habe ich doch schon immer prophezeit!“. Ursachen sind schnell erkannt: „Auslöser sind die Konsumenten“. Ich meine: Diese Haltungen sind konservativ, weil sie die eigene Grundausrichtung nicht in Frage stellen. Was gerade auf Dienstleisterseite im Content Marketing geschieht ist zwar keine Disruption, aber ein Wandel, dessen Radikalität alles in Frage stellt und der vor allem – von uns selbst ausgehen muss! Wenn nicht, ist es schnell zu spät. Bei uns war 2015 der Zeitpunkt mit dem Schaf gekommen, Zeit für eine persönliche Einschätzung.

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Content Promotion beherrschen

Dieses Jahr hatte schon im Vorfeld einen brutalen Aufschlag. Thema: Content Promotion. Wir mussten mit ansehen, wie Filmproduktionen nicht mehr die Reichweiten der Vorjahre erzielten, obwohl sie qualitativ besser waren. Der Wettbewerb um die Zuschauer hatte zunächst schleichend und unbemerkt leichte Erosionsspuren hinterlassen, dann exponentiell gesteigert zugenommen und schlechte Ergebnisse verursacht. Ein Klassiker: Erst merkst Du nichts, kurz danach hast Du ein blaues Auge.
Die Schlussfolgerung ist offensichtlich: Wer Content produziert, muss nicht nur für erfolgreiche  Distribution, sondern auch Promotion sorgen. Das können wir jetzt inhouse leisten, ebenso wie den Schritt danach: konvertieren.

Zum eigenen Kunden werden

Zu Beginn des vergangenen Jahres drängte sich bei uns eine Fragestellung in den Vordergrund: Wieviel Content Marketing benötigen wir selbst, um unsere Ziele zu erreichen? Die Schätzungen gingen weit auseinander, das Ergebnis unserer Researcher war eindeutig: reichlich. Plötzlich waren wir umgeben von neuen, hausinternen Projekten, die Geld kosten und deren ROI wir schon im Voraus so genau wie möglich berechnet haben wollten: neuer Webauftritt, Social Media, Blog. Mit der Entscheidung für diese Projekte wurden wir in der gleichen Sekunde unser eigener Customer, führten uns selbst durch die Journey und können uns nun guten Gewissens weiter empfehlen. Wir erfanden uns neu und bauten neu auf: Content war da, Strategie stand, Produktion lief und läuft kontinuierlich, und Performance sichern wir ab. Es entstand eine Kultur des permanenten Infragestellens. Die können wir jetzt moderieren, aufrechterhalten und jedem weiter empfehlen.

Tanker sein oder Katamaran

Die Welt des Content Marketing in Deutschland hat 2015 zunächst die Elefantenhochzeit von Burda Creative plus KircherBurkhardt gesehen, danach folgten sogar zwei Dinosaurierhochzeiten: Medienfabrik Gütersloh plus G&J CE, außerdem Edelmann plus Ergo. Unserem eigenen Geschäft als schneller, agiler Dienstleister soll diese Konzentration in Zukunft nicht schaden. Gegen Mitte des Jahres mussten wir uns deswegen erneut in Teilen abschaffen und neu erfinden. Unsere Welt ist digital, die Welt unserer Kunden ist es aber nicht nur. Das gesamte Spektrum des Content Marketing und Corporate Publishing decken wir jetzt zusammen mit unseren Partnern ab. Ich glaube die Zukunft der Agenturen liegt in der Entscheidung: Tanker sein oder Katamaran-Flotte, Big Player oder agiles Spezialistennetzwerk. Eindeutig, wer schneller ist. Wer besser ist, wird man sehen. Das hängt auch davon ab, ob die interneren Teams mitziehen, ob jeder Einzelne bereit ist, sich selbst neu zu erfinden.

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Den Feueraffen raus lassen

Am 8. Februar beginnt das Jahr des Feueraffen, geprägt von Ansporn, Siegeswillen und dem Anspruch, jede zwischenzeitliche Niederlage in einen Sieg zu verwandeln. Das glauben jedenfalls die Chinesen. Viel Erfolg also in 2016! Und gern schon ab dem 1. Januar.

4 Fragen die weiter bringen

Die Fragestellung für 2016 erscheint übersichtlich: Wo ist Deine schwächste Stelle? Was wäre, wenn Dich dort jemand angreift? Kannst Du Dich selbst dort angreifen? Bist Du bereit, Dich grundsätzlich in Frage zu stellen und neu zu erfinden?

Was glauben Sie? Was fordert Content Marketing von seinen Agenturen?
Schreiben Sie mir. Ich freue mich auf eine Diskussion.

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Film-Klassiker & Content Marketing Teil 2

10 Film-Klassiker, die jeder Content Marketer gesehen haben sollte

Teil 2 – Von Helden, Schönheit und Mut

 

Abgucken von Hollywood ist erlaubt und kann vielen Filmproduktionen im Content Marketing helfen. Die Budgets sind zwar nicht mit denen der Film-Klassiker zu vergleichen, Kreative und Produzenten arbeiten aber genauso engagiert für einen erfolgreichen Film. Sie nutzen die gleichen Prinzipien. Im ersten Teil präsentierten 5 Film-Klassiker die Themen Timing, Plots und Szenenbild. Hier die nächsten 5 herausragenden Filme, die jeder Content Marketer gesehen haben sollte.

Helden – Slumdog Millionaire

Jeder Film braucht einen Helden. Mit Held ist kein Krieger gemeint. Ein Held kann auch ein Stotterer sein („The Kings Speech“). Die Reise des Helden ist Teil der besten Geschichten in allen Kulturen. Egal ob in Berlin oder Bombay. Und wenn dann noch die perfekt passende Dosis Pathos dazu kommt, entsteht daraus ein erfolgreicher Film wie „Slumdog Millionaire“. Aus dem Slum in die Bettelbande, von dort in die TV-Show – Jamal hungert, wird gefoltert, verprügelt, getreten, und schlägt sich durch, bis er die Liebe seiner Kindheit wieder findet: Latika. In diesem Moment ist die Heldenreise beendet, wie der Film, der aus vielen Miniatur-Heldenreisen besteht. In einer wird Jamal in Sekunden vom Straßenjungen zum gut verdienenden und cleveren Tour-Guide…

Sound – Matrix

Dieser Film ist berühmt für die Bullet-Time-Effekte. Kampfszenen in denen Neo und Agent Smith waagerecht in der Luft stehen bleiben, während die Kamera um sie herum fährt. Daran erinnert sich jeder Zuschauer, der „Matrix“ gesehen hat. Erinnert man sich an Soundtrack, Sound-Design und Ton-Schnitt? Eher nicht, obwohl es den Sound-Designern gelang, das Geräusch fliegender Pistolenprojektile zu „verbiegen“, identisch zum biegen der Zeit in den Bullet-Time-Szenen. Man kann sogar behaupten: Der Sound macht den Film. Wer’s nicht glaubt, sehe sich diese Szene ohne Ton an… Zwei Oscars verlieh die Academy für „Bester Tonschnitt“ und „Bester Ton“. Selbstverständlich nicht nur für die großen Effekte, sondern für den Gesamteindruck. Dazu gehören eben auch Details die nicht teuer sind, aber den Unterschied machen, wie das Unheil verkündende Rascheln der Zeitung im U-Bahnhof…

Zeit – Der Pate

Drei Minuten lang ist die Eröffnungseinstellung dieses Films. Drei Minuten ohne Schnitt. Drei Minuten lang erzählt ein italienischer Geschäftsmann vom Schicksal seiner Tochter, die überfallen wurde. Am Ende flüstert er dem Paten seinen Rachewunsch ins Ohr. Drei Minuten. Ohne Schnitt. Zeit bekommt eine neue Dimension in Francis Ford Coppolas „Der Pate“. Er nutzt sie aus bis zum letztmöglichen Moment. Die scheinbar nicht endende Kamerabewegung zieht den Zuschauer förmlich in das Geschehen hinein. Handbewegungen in dieser Einstellung sind spärlich und langsam und verstärken den Sog. Zum Zeitpunkt des Umschnitts auf das Gesicht von Don Corleone kommt man schon nicht mehr von diesem Film los…

Schönheit – Tiger and Dragon

Ästhetik ist das Werk des Director of Photography. Peter Pau heisst der Mann, der „Tiger and Dragon“ zu dieser Schönheit verholfen hat, und damit einen Oscar gewann. Der Film von Ang Lee ist eine Komposition anmutiger Bildern, die sogar Kampfszenen zu Gemälden machen. Dabei beeindruckt der Film nicht durch üppige Ausstattung wie das „Grand Budapest Hotel“. Im Gegenteil. Die Reduktion auf das Notwendige macht die Kameraarbeit noch wichtiger. Martial-Arts-Ästhetik, schwebende Kämpfer, fliegende Schwerter, fliessende Bewegungen: Beeindruckend wie die Kamera ein Teil dieser Welt wird, wie sie Sinnlichkeit und Schönheit multipliziert. Und das unaufdringlich, als gäbe es sie nicht. Die Originalversion in Chinesisch ist eine der schönsten Kampfszenen im Film …

Mut – Russian Ark
Sie hatten noch einen Versuch. Für eine Kamerafahrt reichte die Kapazität des Festplattenrekorders noch. Aber diese Fahrt war lang. Sehr lang. Sie führte in 90 Minuten durch 35 Räume an 1500 Schauspielern und Komparsen vorbei. Ein Film in einer Einstellung, in einer Streadicam-Fahrt – so etwas hatte noch niemand gewagt. „Russian Ark“ ist der erste Spielfilm, der in nur einer Einstellung gedreht wurde. Solch eine Produktion erfordert ungeheuren Mut und handwerkliche Präzision, um das Risiko beherrschbar zu machen. Ohne Mut keine herausragenden Filme.„Russian Ark“ verlangte penible Arbeit in der Konzeptionsphase und Produktionsvorbereitung. Regisseur Alexander Sokurow und Kameramann Tilman Büttner („Lola rennt“, „Der Untergang“) mussten nicht nur ein passendes Drehbuch für einen Film ohne Schnitt entwickeln. Sie mussten für den Film ohne Schnittmöglichkeit viel Lichttechnik verstecken. Proben in der Eremitage in St. Petersburg gab es nicht. Am Tag des Drehs musste alles funktionieren…

 

Was Content Marketer von Film-Klassikern lernen können:

– Helden inszenieren, egal ob Menschen oder Produkte
– Sound gestalten, der pusht jeden Film
– Zeit nutzen, dehnen oder komprimieren
– Schönheit wollen, und so produzieren
– Mut haben, und auf den des Kunden hoffen

Interesse an Teil 1 zu Szenenbild, Plots und Timing?
Welche Film-Klassiker würden Sie empfehlen? Schreiben Sie mir.

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Film-Klassiker und was man im Content marketing daraus lernen kann

10 Film-Klassiker, die jeder Content Marketer gesehen haben sollte

Teil 1 – Von Timing bis Szenenbild

Filmproduktionen im Content Marketing haben nicht das Budget der Film-Klassiker, dafür aber genauso engagierte Kreative und Produzenten an ihrer Seite. Und die erreichen ihre Erfolge nach den gleichen Prinzipien. Abgucken von Hollywood ist erlaubt und hilft.

Timing – One, Two, Three

Timing ist nicht alles, aber hilft jedem Film. Wenn jemand uns Nachhilfe in Timing geben darf, dann Hanns Lothar und James Cagney in „Eins, Zwei, Drei“. Sie spielen, wie der Titel es verlangt. Die Dialoge sind auf den Punkt geschrieben und von den Schauspielern mit dem Glanz perfekten Timings versehen. Und Timing ist nicht nur Tempo. Legendär der Auftritt von Schlemmer. Der Film ist ein Meisterstück von Billy Wilder, denn die Rasanz zieht sich durch den ganzen Film. Ein Coca-Cola-Geschäftsführer versucht in Berlin die Tochter seines Bosses davon abzubringen, einen Kommunisten zu heiraten. Zunächst muss sich der Manager aber an Deutschland im Jahr 1961 gewöhnen…

Brüche – Skyfall

Dass Helden zu Beginn eines Films sterben, funktioniert nur bei Game of Thrones. Und dann auch nur, weil schon neue Helden aufgebaut sind. Darf James Bond sterben? Nein. Oder besser: zumindest nur vorübergehend. In „Skyfall“ glaubt man nur Sekunden daran, dass Bond tot ist. Er wird auferstehen, irgendwie. Aber wie? 007 kehrt zurück als Trinker, der zu langsam für den Job geworden ist und die Tests beim MI6 nicht besteht. Peinlich. Und deswegen großes Kino. Unversehrte Roger-Moore-Gesichter nach einer minutenlangen Schlägerei kann kein Publikum mehr sehen. Ein Held ist erst dann einer, wenn er etwas verliert, wenn er einen Preis zahlen muss, wenn er – Brüche hat. Und es uns zeigt …

Plot – Pulp Fiction

Plot. Man könnte auch sagen: Überraschung. Der Plot verändert die Vorstellung der Zuschauer davon, wie sich die Story weiter entwickelt. Jeder Film hat Plot-Points, aber auch jede gute Szene. Die Story ändert danach ihre Richtung hin auf ein bisher unbekanntes Ziel. Genauso wie Jules und Vincent in „Pulp Fiction“ ihr Fahrtziel ändern müssen. Schuld daran ist ein Hubbel in der Straße. Und diese Bodenwelle wiederum ist Schuld am Tod von Marvin, einem Komplizen. Und wenn ich so weiter schreibe, entsteht nie ein Plot-Point. Deswegen hier ein Ausschnitt aus einem grotesken Film, dem wir aber immer glauben, weil Quentin Tarrantinos absurde Plots die Story permanent in eine unerwartete Richtung treiben…

Dramatisierung – All the President’s Men

Knarzende Kellertreppe in einem schaurigen Motel – ist spannend. Duell in der Westernstadt – spannend. Riesenwelle vor Fischkutter – auch spannend. Aber eine Unterhaltung in einem Parkhaus? Ein Film über zwei Journalisten holt vier Oscars?! Wie ist das möglich? Weil „All the President’s Men“ fast ohne Dramatisierung auskommt, und dennoch Spannung aufbaut – durch fein dosierte Inszenierung. „Just follow the money!“ raunt Deep Throat in der Tiefgarage. Sein Gesicht sieht man nie. Dennoch entsteht eine knisternde Spannung. Schafft es Journalist Woodward den entscheidenden Tipp vom Informanten zu bekommen, um die Machenschaften der Republikaner im Wahlkampf aufzudecken? Als der Film 1976 Premiere hatte, waren Watergate, Washington Post, Woodward und Bernstein schon Legende. Und dennoch ist „Die Unbestechlichen“ spannend bis zum Schluss. Wie Journalismus eben sein kann, wenn man auf Mätzchen verzichtet, wo sie nicht passen…

Szenenbild – Grand Budapest Hotel
„Our task was to find a great old hotel, and build a production around that“, sagt Wes Anderson über die Produktion des „Grand Budapest Hotel“. Das grandiose Szenenbild und Kostümdesign entführt in eine eigene Welt und ist made in Görlitz, Germany. Szenenbild im Content Marketing? Ja. Das Prinzip bleibt, egal wieviel Budget im Spiel ist. Ein gut überlegtes Szenenbild unterstützt die Botschaft des Films oder zerstört sie. Allein das Aufräumen des Vorstandsschreibtisches im Hintergrund eines Interviews kann das Szenenbild erheblich verbessern. Für das „Grand Budapest Hotel“ ist Anderson natürlich den entgegen gesetzten Weg gegangen. Welchen, erklärt er selbst…

Was Content Marketer von Filmklassikern lernen können:
– Timing etablieren, im Bild und in der Montage
– Brüche erlauben, die machen das Publikum neugierig
– Plots entwickeln, am besten mehrere
– Dramatisierung überprüfen, weniger ist mehr
– Szenenbild beachten, auch ohne Budget

In der kommenden Woche Teil 2 mit Helden, Filmmusik, Schönheit, Mut und Zeit
Welche Film-Klassiker würden Sie empfehlen? Schreiben Sie mir.

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